Seite:Wackernagel Geschichte der Stadt Basel Band 3.pdf/388

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Seit Jahren dauerte der Kampf um die alten Heiligtümer. Länger und auf größerem Gebiete der Kampf wider Vorrecht und Macht. Wenn dem Einen schon Alles zu wanken schien, so konnte der Andre schelten, daß wenig erreicht sei. Keine Befreiung von den Zinslasten, kein Genuß am Kirchengute, keine Beseitigung der klösterlichen Handwerkskonkurrenz, kein Verpflichtetsein des Klerus zu den bürgerlichen Leistungen. Was hatte die vor Kurzem durchgesetzte Verfassungsänderung eingebracht? Wo war die Gewerbereform stecken geblieben? Wohin die große Politik führte samt Reislauf und Pensionen, stand erschütternd vor Aller Augen. Dazu nun aus dem Elsaß und über den Rhein her die wilden Gerüchte von Rottierungen der Bauern und die Gewißheit, daß es auch in der Landschaft Basel gährte.

Sonntags 30. April 1525 im Münster drohte während der Predigt ein Tumult auszubrechen. Gleichen Tags predigte Pfarrer Bertschi zu St. Leonhard über ein Kapitel des Ezechiel in Ausdrücken, die den Hörern als deutliche Anspielungen auf die Gegenwart erschienen: man habe die Untertanen ausgesogen, man solle der Obrigkeit nicht gehorchen usw. Im Zunfthause der Weber an der Steinenvorstadt aber, anläßlich eines gerade stattfindenden Zunftbotts, wurden aufgeregte Reden laut; unter Anderem über das Rodersdorfer „Pfäfflein“ Doktor Johann Friedrich, von dem es hieß, daß er die Basler Ketzer gescholten habe; man nahm sich vor, am folgenden Montag ihm „durchs Haus zu laufen“ und ihn zu fangen.

Dieser Montag war der 1. Mai, den die Zünfte in „Fröhlichkeit und Wohlleben“ zu begehen pflegten. Auch im Weberhause wieder saßen Viele schon vormittags beisammen und zechten, unter ihnen der angesehene Ulrich Leiderer.

Dieser war nicht der gewöhnliche Schreier und Rebell, zu dem ihn die offiziellen Akten machen. Weil er seinerzeit das Handwerk nicht auf normale Weise gelernt hatte, haßten ihn die Meister und wollten ihn nicht aufkommen lassen. Aber er kam dennoch in die Höhe, wuchs vom Weber zum Gewandmann und hatte eine Handelsgesellschaft. In der seinem

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Rudolf Wackernagel: Geschichte der Stadt Basel. Dritter Band. Helbing & Lichtenhahn, Basel 1924, Seite 367. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Wackernagel_Geschichte_der_Stadt_Basel_Band_3.pdf/388&oldid=3403306 (Version vom 1.8.2018)