Seite:Wackernagel Geschichte der Stadt Basel Band 3.pdf/402

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Am 4. Juli geschah die Versammlung in Basel. Anwesend waren die Vermittler aus den eidgenössischen Orten; zahlreiche Bauern; Bevollmächtigte des Straßburger Bischofs; ein Trupp Edelleute; vom Ensisheimer Regiment einige Räte, unter ihnen wieder wie im Mai, doch jetzt mit andern Mienen und Geberden, der Gilgenberger Baron. Bei den Barfüßern in dem Refektorium, das schon mancher Konferenz gedient hatte, wurde verhandelt. Eine vom Rat aufgebotene starke Wachmannschaft sorgte für Ordnung und Sicherheit.

Aber die große Veranstaltung hatte ein kleines Ergebnis. Nach tagelangem Debattieren nur das Eine, daß die Waffenruhe bis zum 10. August verlängert wurde und die Vermittler sich entschlossen, direkt mit Erzherzog Ferdinand zu verhandeln, damit er ihr Recht des Entscheidens anerkenne.

Am 1. August fand diese Gesandtschaft — Jacob Meyer und Ratschreiber Ryhiner von Basel und Hans Jacob Murbach von Schaffhausen — den Erzherzog in Augsburg, nachdem sie, unrichtig informiert, ihn im Südtirol gesucht hatte. Alles war auf Hinhalten angelegt. Auch das Benehmen Ferdinands. Gnädig und höflich die eidgenössischen Herren empfangend, gab er doch keinerlei Zusicherung und behielt sich Alles vor. Nur eine nochmalige Verlängerung des Waffenstillstandes, bis zum 20. August, konnte erzielt werden.

Wie die Eidgenossen schon diese Augsburger Fahrt nur ungerne mitmachten, so zogen sie sich allmählich ganz zurück. Nur Basel führte die von ihm übernommene Aufgabe durch, gewissenhaft, bis zum bittern Ende. Der in den Parteien lebenden und kaum zu bändigenden Kraft und Willkür gegenüber bildet dies unverdrossene vermittelnde Arbeiten der guten Stadt ein seltsames Schauspiel.

Am Tage nach dem Ende des Waffenstillstandes, am 21. August, sollte wieder in Basel verhandelt werden. Aber die österreichische Regierung weigerte sich, sodaß Basel beschloß, sie an ihrem Sitze selbst aufzusuchen. Am 22. August trat seine, wieder wie im Mai durch Bürgermeister Meltinger geführte Deputation vor die Regenten in Ensisheim.

Meltinger konnte sich jener Szene vom 26. Mai erinnern, da im selben Saale die eingeschüchterten Herren sich in die Helferhände des Basler Rates gegeben hatten. Heute war die Stimmung anders. Und wie verändert die Lage überhaupt! In Schwaben, in Franken, in der Pfalz, im Untern Elsaß, überall war die Bauernmacht unter furchtbaren Schlägen zusammengebrochen. Überm Rheine die Markgräfler hatten ihren Frieden gemacht. Einzig die Untertanen Österreichs standen noch als Empörer im

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Rudolf Wackernagel: Geschichte der Stadt Basel. Dritter Band. Helbing & Lichtenhahn, Basel 1924, Seite 381. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Wackernagel_Geschichte_der_Stadt_Basel_Band_3.pdf/402&oldid=3403322 (Version vom 1.8.2018)