Seite:Wackernagel Geschichte der Stadt Basel Band 3.pdf/481

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Von der Kunstübung dieses Jahrzehnts wird uns kein geschlossenes und nur ihr eigenes Bild gezeigt. Mit ausdauernden Kräften der vergangenen großen Zeit mischen sich Schwächen des Niedergangs.

Künstler, die wir früher kennen gelernt haben — die Glasmaler Gutsmuts und Glaser, die Goldschmiede Angelrot Öder Graf Schweiger Eigen, die Plastiker Thür Menzinger Hoffmann, die Maler Koch Dyg Herbster Holbein — leben und arbeiten noch. Neben sie treten neue Meister: die Glasmaler Han Vennringer, die Goldschmiede Wigerich Spul Fäsch Buchwald, die Bildhauer Bürgender Dobel Gugger, die Maler Zehender und von Krotzingen. Aber es werden uns wieder nur diese Namen gegeben, in Verbindung mit Nachrichten über Liegenschaften und Nachlässe, über Zunftrecht und Bürgerrecht; von Arbeiten selbst und zwar solcher höherer Art ist nicht oft die Rede. Die Formschneider dieser Periode endlich — Faber Herman Lützelburger — sind im Zusammenhange schon früher behandelt worden; ihre Arbeiten sind uns bekannt und noch vor Augen.

Zu denken gibt, daß das Ende des Rathausbaus im Jahre 1521 zugleich das Ende einer durch Jahrhunderte währenden Leistung baslerischen Monumentalbaues war. Einiges wenige vorher Begonnene, wie das Langhaus zu St. Leonhard und ein paar Klosterräume, wurden in den nächsten Jahren noch vollendet. Aber eine neue große Bauunternehmung kam von jetzt an lange Zeit hindurch nicht mehr zu Stande. Der Bruch war vollkommen und der Gegensatz der die Dezennien vor 1521 überfüllenden Baudaten zur Zeugnisarmut und Leere der 1520er Jahre so stark als möglich.

Das von der Architektur zu Sagende gilt gutenteils auch für die Schwesterkünste. Insoweit diese mit großem Bauwesen zu tun hatten, blieben sie ohne Verwendung. Aber noch hierüber hinaus wurde der allgemeine Wandel in der Orientierung des Lebens und Empfindens auch ihnen zum Verhängnis.

Wenn wir bei der Buchdekoration mit Augen sehen, wie um die Mitte des Jahrzehnts die Zeit der großen Zierlust schon vorüber ist, so berechtigt uns diese Wahrnehmung zu einem Urteil allgemeiner Art.

Empfohlene Zitierweise:
Rudolf Wackernagel: Geschichte der Stadt Basel. Dritter Band. Helbing & Lichtenhahn, Basel 1924, Seite 460. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Wackernagel_Geschichte_der_Stadt_Basel_Band_3.pdf/481&oldid=3403409 (Version vom 1.8.2018)