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14.
I. Von der Beichte zu Gott.
1) zu Gott.

 Gott ist allgegenwärtig und der rechte Beichtvater, welchem man vor allen andern beichten soll, denn Er wird von allen unsern Sünden am meisten beleidigt, wie denn auch David Ps. 51, 6 bekennt: „Alleine an dir habe ich gesündigt und Übel vor dir gethan, auf daß du recht behaltest in deinen Worten und rein bleibest, wenn du gerichtet wirst.“ Dieses Sündenbekenntnis, im Kämmerlein und sonst in der Einsamkeit, vor Gottes Ohren gethan, und oft geübt, hat einen großen Segen, welchen ein jeder an sich selbst leicht erfahren kann.[1] Man soll sich aber vor Gott, wie Luther im Katechismus sagt, „aller Sünden schuldig geben, auch die man nicht erkennt;“ denn Gott erkennt uns genauer, als wir selbst, und weiß, daß wir alle seine Gebote übertreten haben. Solches Bekennen aller Sünde ist keine Heuchelei, daß man etwa nur wie aus Bescheidenheit oder Nachgiebigkeit gegen Gott sich auch da schuldig bekennete, wo man im Herzen überzeugt ist, keine Schuld zu haben; sondern es ist eine ewige Wahrheit, welche ein aufrichtiges Herz täglich mehr an sich selbst erfahren soll; es ist eine göttliche


  1. Dieser Segen ist um so größer, wenn mit dem Bekenntnis der Sünden zugleich das Bekenntnis der Herrlichkeit Gottes gethan wird. (Röm. 10, 10. Ebr. 13, 15.)
Empfohlene Zitierweise:
Wilhelm Löhe: Einfältiger Beichtunterricht für Christen evangelisch-lutherischen Bekenntnisses. Kommissionsverlag der Buchhandlung der Diakonissenanstalt, Neuendettelsau 1900, Seite 28. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Wilhelm_L%C3%B6he_-_Beichtunterricht_(4._Auflage).pdf/30&oldid=- (Version vom 17.7.2016)