Seite:Wilhelm Löhe - Beichtunterricht (4. Auflage).pdf/56

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weil es überhaupt nicht glaublich sei, daß Menschen Sünden vergeben können. Sünde ist Beleidigung nicht eines menschlichen, sondern eines göttlichen Gesetzes; darum, sagen sie, kann er zwar vergeben, was und insoweit wider seine Satzungen gefehlt wird; hingegen kann auch nur Gott und kein Mensch vergeben, was wider Gottes Gesetze anläuft.

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 Und freilich, dem kann nicht widersprochen werden; nur Gott kann Sünde vergeben. Denn da etliche Schriftgelehrte Matth. 9 unserm HErrn JEsu Christo Seine dem Gichtbrüchigen gesprochene Absolution für Gotteslästerung auslegten, weil sie ihn für einen Menschen hielten, Vergebung der Sünden aber alleine Gottes Sache wäre: widersprach ihnen Christus nicht, sondern Er bewies ihnen Seine Gottheit durch ein alle Kreaturenkräfte übersteigendes Wunder – um ihnen daraus zu beweisen, daß Er auch Sünden vergeben könne; denn Sünden vergeben oder Wunder aus eigner Kraft zu thun, ist eines für Menschen so unmöglich, als das andere, – eins wie das andere erfordert göttliches Vermögen. Darum sagt aber auch kein Beichtvater, daß er von sich selbst die Sünden vergebe, sondern er thut es im Namen des dreieinigen Gottes und auf Befehl JEsu Christi, welcher selbst ist der wahrhaftige Gott und das ewige Leben. Gleichwie nun, was ein königlicher Gesandter im Namen des Königs thut, ebensoviel ist, als thäte es der König selbst – und wer dem Gesandten nicht gehorcht, an der Majestät selber sich versündigt: also

Empfohlene Zitierweise:
Wilhelm Löhe: Einfältiger Beichtunterricht für Christen evangelisch-lutherischen Bekenntnisses. Kommissionsverlag der Buchhandlung der Diakonissenanstalt, Neuendettelsau 1900, Seite 54. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Wilhelm_L%C3%B6he_-_Beichtunterricht_(4._Auflage).pdf/56&oldid=- (Version vom 17.7.2016)