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und zwar beides an Leuten des hohen, wie des niedrigen Standes. Sie haben beide Seelen zu gewinnen und zu verlieren, und sollen darum nach dem Sinn des barmherzigen Gottes beide auch der Zucht des h. Geistes im Amte Seiner Kirche teilhaft werden. Aus himmlischer Liebe zu den Seelen muß man auch den Haß dieser Seelen auf sich nehmen können; denn am wenigsten in unsern Tagen läßt man gutwillig die Kirche ihr heiliges Amt an den Seelen üben, weil durch der Hirten Tod das Leben der Kirche und ihr göttlicher Ernst in Vergessenheit geraten ist, und, wo er sich zeigt, alsbald gefragt wird: „Was thust du für ein Zeichen, daß du Solches thun mögest!“ Es gehört auch ein sehr standhafter Mut dazu, in unsern Tagen den Bindeschlüssel treulich zu gebrauchen. Denn der offenbaren und dem Worte Gottes geradezu widerstrebenden Sünder sind so viele, daß von Seiten der Pfarrer nicht ohne viele Leiden, Gram und Kummer, ja nicht ohne eine Selbstverleugnung, welche Gut und Blut darzulegen oder wenigstens in solcher Treue das Amt zu verlieren bereit ist, das Amt des Bindens wird durchgeführt werden können. Zu geschweigen, daß wer es thut oder nur unternimmt, auch von seinesgleichen, statt unterstützt, verlassen, geschmähet und sein Thun auf die schlimmste Seite hin, als Hochmut etc., wird ausgelegt werden. An

Empfohlene Zitierweise:
Wilhelm Löhe: Einfältiger Beichtunterricht für Christen evangelisch-lutherischen Bekenntnisses. Kommissionsverlag der Buchhandlung der Diakonissenanstalt, Neuendettelsau 1900, Seite 85. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Wilhelm_L%C3%B6he_-_Beichtunterricht_(4._Auflage).pdf/87&oldid=- (Version vom 17.7.2016)