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1.
Was versteht man unter der Beichte?

 Wenn man von der Beichte redet, so begreift man unter diesem Namen gewöhnlich zwei zusammengehörige Stücke, nämlich:

a. Das eigentliche Beichten und Bekennen der Sünde (denn Beichten heißt Sünden bekennen), und
b. die Absolution, d. i. die Vergebung der Sünden, welche der Beichtvater an Gottes Statt spricht.

 Darum heißt es auch im kleinen Katechismus Luthers: „Die Beichte begreift zwei Stücke in sich: eines, daß man die Sünde bekenne, das andere, daß man die Absolution oder Vergebung von dem Beichtiger empfahe, als von Gott selbst, und ja nicht daran zweifle, sondern fest glaube, die Sünden seien dadurch vergeben vor Gott im Himmel!“

 Von diesen zwei Stücken wollen wir nun handeln.


2.
Ohne Erkenntnis der Sünde kein Bekenntnis derselben.

 Wer Sünden in der Beichte bekennen soll, muß zuvor seine Sünden kennen und erkennen; denn was soll der beichten, welcher meint, er habe nichts gesündigt? Nun ist es zwar in Gottes Wort fest gegründet, daß alle Menschen in Sünden liegen von Natur (Röm. 3, 10–12.); aber nicht alle sehen es ein; nicht alle erkennen, daß ihre Seele mühselig

Empfohlene Zitierweise:
Wilhelm Löhe: Einfältiger Beichtunterricht für Christen evangelisch-lutherischen Bekenntnisses. Kommissionsverlag der Buchhandlung der Diakonissenanstalt, Neuendettelsau 1900, Seite 7. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Wilhelm_L%C3%B6he_-_Beichtunterricht_(4._Auflage).pdf/9&oldid=- (Version vom 17.7.2016)