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Liste.png Wilhelm Löhe: Evangelien-Postille für die Sonn- und Festtage des Kirchenjahres

nicht von denen anderer Mahlzeiten, der versündigt sich und wird schuldig an ihnen, der ißet und trinket ihm selbst ein göttliches Gericht, und Schwachheit und Krankheit und Tod vor der Zeit kommen über ihn. Ich sage es nicht von mir selbst, es sind apostolische Worte, euer Auge liest, euer Finger deutet auf sie. Es ist ein Mahl der Gnaden, ein über jede andere Mahlzeit erhabenes Mahl. Aber das Mahl hat seine Warnungen, seine Schauer um sich her. Es wird nicht umsonst misbraucht; der König in Zion rächet Seine Stiftung an den Verächtern und Er kennt sie alle.

 Darum ist eine Prüfung allen denen geboten, welche zu Gottes Tisch gehen wollen. Es kommt alles drauf an, daß sie des Abendmahles würdig sich nahen, daß sie die himmlische Gabe in ihrem Wesen und in ihrer Eigenschaft als Bestätigung und Denkmal des Todes JEsu, daß sie den Tod des HErrn Selbst und Seine Segnungen erkennen und verkündigen, daß sie ihren eigenen Unwerth, dagegen des Mahles Werth und Gnade, die Herrlichkeit der Stiftung Christi faßen. Die Prüfung vor dem Mahle soll ein Gericht, ein Selbstgericht sein, das dem Sünder Gottes Gericht erspart oder doch erträglich macht. − Wie leichtsinnig nimmst du’s vielleicht mit deiner Prüfung vor dem Abendmahle! Vielleicht fragst du kaum, was das Mahl sei, wozu es diene, wie unwerth du desselben, wie begnadigt du also seist, wenn du es dennoch empfängst. − Gehst du heute zum Mahle, so prüfe dich. Nimm guten Rath an und prüfe dich. Oder bist du schon gegangen, vielleicht leichtsinnig, so prüfe und richte dich nachträglich, auf daß du Buße thust und wenn auch vom HErrn zeitlich gerichtet und bestraft, doch nicht in ewige Verdammnis kommst.


 O Du Gott aller Gnade, der Du uns alle Sünden verzeihst, verzeihe uns, bitten wir, unsere Abendmahlssünden vor allen andern, daß wir nicht durch das Gnadenmittel, das uns retten soll, verloren gehen! Amen.


Am Charfreitage.
(Wird die Leidensgeschichte aus den Evangelien gelesen.)

Am Ostersonntage.
1. Corinther 5, 6–8.
I.

 WEnn ER nicht erstanden wäre, sondern in des Todes Banden geblieben, was wäre dann, meine Seele? Eine Frage, wie ich keine mehr thun kann. Gott Lob, eine eitle Frage! Denn was dann wäre, das ist nicht: denn Er ist erstanden. Halleluja! − Aber antworte mir doch, meine Seele! Und wenn dir schaurig und wunderlich zu Muthe wird bei dieser Frage, so antworte mir dennoch. Denn es ist ja nicht, was du antworten mußt. Denn ER ist erstanden! Halleluja! − Wenn ER nicht erstanden wäre, dann wäre Er noch in Josephs Grab und begraben, wäre all mein Heil und meine Freude. Wenn ER nicht erstanden wäre, wüßt ich ja nicht, ob ER wäre „unser Osterlamm, Christus, für uns geopfert!“ Ich wüßte nicht, ob Gott Sein Opfer angenommen hätte, ob ich durch Sein Blut vom Engel des ewigen Todes, der durch das Aegypten dieser Welt geht, werde verschont werden. Nur in der Auferstehung liegt die Bürgschaft für Seinen Opfertod, − ohne Seine Auferstehung fehlte mir die Bürgschaft, ich wäre noch in meinen Sünden und mein Glaube wäre eitel. Dann gäbe es keine Osterfreude, keinen Osterfrieden, keine Osterhoffnung. Ohne Ostern? Möchtest du ohne Ostern leben? Und eine Ewigkeit ohne Ostern, wenn es auch eine gebe, was wäre sie! Ach! Es ist so gar Alles am Osterlamm und an Ostern gelegen für Zeit und Ewigkeit! − Gott Lob! Er ist erstanden! Gottes Lamm, das der Welt Sünde trug, hat überwunden, die Sünde, den Tod verschlungen ewiglich! Es ist übrig blieben! Es ist über dem Ruin der

Empfohlene Zitierweise:
Wilhelm Löhe: Evangelien-Postille für die Sonn- und Festtage des Kirchenjahres. Samuel Gottlieb Liesching, Stuttgart 1859, Seite 276. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Wilhelm_L%C3%B6he_-_Evangelien-Postille_Aufl_3.pdf/287&oldid=- (Version vom 14.8.2016)