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nicht zu fliehen, sondern mit ihm zu gehen, so lange es thunlich ist. Es kann aber allerdings die Zuchtlosigkeit einer Gemeinde eine solche Höhe erreichen, daß der Pfarrer den Staub von den Füßen schütteln und gehen dürfte und daß man es auch den Gemeindegliedern nicht verargen darf, wenn sie den angebundenen schwachen Pfarrer verlaßen und die ganze zuchtlose Gemeinde meiden, zumal wenn sie wißen, wohin sie gehen sollen. Bei gewöhnlichen Verhältnissen jedoch haben auch unsere gestrengsten Lehrer, welche rücksichtlich der Ketzereien der größten Schärfe huldigten, durchaus nicht zur Sonderung gerathen, sondern zum Ausharren in den elenden Verhältnissen, zu einem immerwährenden Zeugnis und Protest, zu brünstigem Gebet.




 In alle diese Noth führt uns die Sünde der Kirche Gottes auf Erden, in unserem Fall hauptsächlich die Sünde unserer Kirche. Es wimmelt von Sünden an uns, an den Unsrigen, an unsern versprengten und zerstreuten Glaubensgenoßen, an den armen Brüdern und Schwestern JEsu, an JEsu Christo selbst, es wimmelt auch von Sünden an Reformierten und Unierten, die auf dem Wege der Mengerei nicht zur Erkenntnis und zur Wahrheit geführt werden können. Was aber das größte Uebel ist, ist das, daß so überaus wenige die Sünde erkennen, die meisten alles Gefühl für das Uebel verlieren, manche den Zustand der Landeskirche preisen, und zwar nicht blos im Vergleich mit anderen Landeskirchen, sondern an und für sich selber. Es kann nicht anders sein, liebe Brüder, als daß wir mit unserem immerwährenden Drängen und unserer immer wiederholten Klage bei der sich immer mehr verbreitenden Gesinnung auch immer mehr ein Scheuel

Empfohlene Zitierweise:
Wilhelm Löhe: Gutachten in Sachen der Abendmahlsgemeinschaft. Verlag der C.H. Beck’schen Buchhandlung, Nördlingen 1863, Seite 46. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Wilhelm_L%C3%B6he_-_Gutachten_in_Sachen_Abendmahlsgemeinschaft.pdf/46&oldid=- (Version vom 1.8.2018)