Seite:Wilhelm Löhe - Predigten für die festliche Hälfte des Kirchenjahres.pdf/133

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Sie trägt die Kindlein priesterlich zum gnadenreichen Wasser des Lebens, – sie weiß keine besseren Vaterarme, als die ihres Gottes, in diese legt sie ihre lieben Kleinodien, die jungen Seelen, baldmöglichst, – sie giebt ihnen Zucht und Vermahnung zum HErrn, – sie betet, daß der Erzhirte sich Seiner Herde selbst annehme und sie suche, wie ein Hirte seine Schafe sucht, wenn sie von seiner Herde verirrt sind,[1] – und wenn die Kinder nicht geraten, sondern der Welt nachlaufen, ist wiederum das ihr Trost, sie schlägt Gottes Buch auf und faßt die Verheißung zu Herzen:[2] „Ich will Mich Meiner Herde selbst annehmen, die Schafmütter führen, die Lämmer im Busen tragen!“ Sie wünscht, daß der Kinder ganzes Leben eine Wallfahrt nach dem oberen Jerusalem, in Gottes ewiges Haus sein möge, – und wenn sie früh sterben, so spricht sie: „Sie sind im Tempel, sie singen Halleluja, es ist ihnen widerfahren, was geschrieben ist:[3] die Ihn frühe suchen, die finden Ihn.“


II.

 Da JEsus Christus in Jerusalem angekommen war, vergaß ER die ganze Welt über dem Hause Seines Vaters: – die Stadt Jerusalem, ihre Paläste, dazu die schnelle Flucht der sieben Ostertage, vergaß Vater und Mutter, vergaß Nazareth und die Heimat, – im Tempel, unter den Gesetzlehrern, unter den immerwährenden Erinnerungen an Seine himmlische Heimat, unter den priesterlichen Geschäften, unter dem Lobgesang: da war Ihm wohl, da war ER in dem, was Seines Vaters war. –

 Liebe Brüder und Schwestern, insbesondere ihr jüngeren Brüder und Schwestern, die ihr voll irdischer Unruhe seid und mit eurem Herzen voll Wünsche und Hoffnungen nicht wisset, wohin: wo ist unter uns der heilige Sinn unseres HErrn JEsu? Fraget die Alten, ob’s nicht wahr ist, daß in allem


  1. Hes. 34, 11. 12.
  2. Jes. 40, 11.
  3. Spr. 8, 17.