Seite:Wilhelm Löhe - Predigten für die festliche Hälfte des Kirchenjahres.pdf/383

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an JEsum glaubt, nicht stirbt, ob er gleich stirbt. So stirbt er denn getrost und trinkt den bittern Kelch und ist größer als der Tod!

 Brüder, ist etwas Größeres auf Erden, als ein Christ, ein Mensch, der Christi neues Leben in sich trägt, welcher spricht: „Ich lebe, aber nicht ich, sondern Christus lebt in mir,“ welcher es spricht und mit seinem Leben für sehende Augen Beweis genug liefert, daß er von Christo ergriffen und nicht mehr von dieser Welt ist? Warum also jaget ihr der Vergänglichkeit nach, warum trachtet ihr, hier zu gelten und Namen zu haben? was habt ihr, wenn ihr habet, wonach euer Herz begehrt? was, wenn euch andere beneiden? Ich weiß eine Grenze, da wird der Beneidete doch bemitleidet, während der arme, entsagungsvolle Christ glücklich gepriesen wird, das Grab! Siehst du bloß auf das, was so kurz währt? Geht deine Klugheit, deine Sorge weiter nicht, als bis zum Leichenpomp? Lasset das von euch nicht gesagt werden, teure Brüder!

 Tretet her zu mir, stellen wir uns weg von der eitlen Welt, und sprechen und beten zu dem, der da herrlich ist und gepriesen von Ewigkeit zu Ewigkeit.

 JEsu, Verherrlichter, wir wollen hier gering und klein und gedemütigt werden bis in den Tod, wollen uns auf Erden genügen lassen an der verborgenen Herrlichkeit und dem himmlischen Manna des Glaubens. Wir wollen lieber bei dir sein, du hier gekreuzigter, dort verherrlichter, nun unsichtbarer gegenwärtiger Heiland, lieber bei dir und auf deine Gnadenblicke harren, als die Gunstblicke der Welt in Fülle empfangen. Wir wollen Dich damit verherrlichen auf Erden, daß wir Deinem heiligen Geist und Seiner seligmachenden Lebenswirkung unsere Seelen überlassen, mache aus uns etwas zu Lobe Deiner herrlichen Gnade! Wir wollen tot werden vor der Welt, verachtet, nichts, sprechen mit Paulo: „Die Welt ist mir gekreuzigt und ich der Welt.“

 Wir wollen’s gern, HErr JEsu. Denn in der Demütigung ist Deine Gnade groß, und wenn Du uns hier vor der Welt genug gedemütigt und nur verborgen getröstet hast, so wird die Zeit kommen, wo Du Dich in unserer Auferweckung verherrlichen