Seite:Wilhelm Löhe - Predigten für die festliche Hälfte des Kirchenjahres.pdf/413

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Am Sonntag Exaudi.
(Nürnberg 1834.)


Luk. 11, 1. HErr, lehre uns beten!

Vom Gebet.

 Am vorigen Donnerstag sind wir mit der Ermahnung auseinandergegangen, doch ja diese festlichen Tage zwischen Himmelfahrt und Pfingsten in rechter Vorbereitung, d. i. betend hinzubringen. Kaum getraue ich mich, zu fragen: „wer hat dieser billigen Ermahnung Folge geleistet?“ Denn ich weiß, wie wenig genau es in der Regel die Gemeinden mit Ermahnungen von der Kanzel nehmen, wie vergeßlich und träge insbesondere das Menschenherz zum Gebete ist. Der HErr sagt Jer. 15, 14 und 2, 32 nach vollster Wahrheit: „Bleibt doch der Schnee länger auf den Steinen im Feld, wenn’s vom Libanon herab schneit, und das Regenwasser verschießt nicht so bald, als Mein Volk Mein vergißt. Vergißt doch eine Jungfrau ihres Schmuckes nicht, noch eine Braut ihres Schleiers; aber Mein Volk vergißt Mein ewiglich.“ Indes bleibt es bei meiner Vermahnung: „Betet um Ausgießung des heiligen Geistes!“ Und habt ihr mir die drei Tage seit Himmelfahrt nicht nachgegeben, so sind doch bis Pfingsten noch sieben andere übrig, vielleicht werden einige unter euch der Vermahnung in diesen folgen. Damit nun diese Warnung desto nachdrücklicher wiederholt werde, will ich heute vom Gebete predigen. Dies paßt auch wohl zu diesem Sonntag, welcher Exaudi heißt, d. i. „erhöre uns, o Gott!“

 Indes ist das Gebet dreifach: Bittgebet, Dankgebet, Lobgebet. Das Lobgebet, unter allen dreien das edelste, weil es