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in den Seinigen wohnt. Ist nicht (1. Kor. 6, 17), wer Christo anhanget, ein Geist mit Ihm? Sagt ER nicht selbst: „Ich bin in ihnen“?

 O daß wir alle dahin kämen, daß wir mit JEsu Christo eins wären, ER in uns, wir in Ihm vor den Vater träten, wir in des Sohnes Namen vor dem Vater ständen, dann würde uns auch beim Gebet die Zuversicht und das völlig gläubige Amen, Amen nicht fehlen. Denn der muß wohl seiner Sache gewiß sein, welcher in JEsu Namen zu beten wagt, ihm kann’s kein Zweifel sein, daß Gott seine Gebete angenehm und erhöret sind. Er muß eine Freudigkeit zu Gott haben, die alle Zweifel überfliegt. Er kann nicht wie die Meereswogen in Zweifeln hin und her getrieben werden, nein, in stillem, festen Glauben schaut er den Vater an und spricht: „In JEsu Namen, liebster Vater, Amen!“


II.

 Wir gehen weiter und fragen: „Wann sollen wir beten?“ in welcher Frage auch die zweite eingeschlossen ist: „Wie oft sollen wir beten?“

 „Betet ohne Unterlaß!“ spricht der HErr durch den Mund Seines heiligen Apostels. Damit sind beide Fragen beantwortet und gleichsam bestraft, denn man soll das Beten nicht nach der Zeit messen. Es wird die Ewigkeit ohne Ende ein endloses Gebet sein, Ewigkeit und Gebet sind gleichsam gleichbedeutende Namen. Warum sollte nicht dies arme Erdenleben ein beständiges Gebet sein? dies Leben, wo wir, umrungen von Gefahren, vom Teufel allenthalben mit Welt und Fleisch versucht, nicht anders überwinden können, als durchs Gebet?

 Es ist eine alberne Einwendung, welche faule Beter machen: „Ich kann nicht immer Gebet im Munde, das Betbuch in der Hand führen, denn das Sprichwort ist: „Bete und arbeite!“ Ihr habt schon im vorigen Teil gehört, daß man nicht notwendig den Mund und das Buch, sondern das Herz zum Beten braucht, und das edle Sprichwort: „Bete und