Seite:Wilhelm Löhe - Sieben Predigten in Nürnberg zu St. Aegydien (2. Auflage).pdf/19

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aber kommt dann auch gewißlich die „Erlösung unsers Leibes“, von welcher der Apostel redet. Nicht der Tod ist die Erlösung des Leibes, der Tod befreit nicht, sondern bindet unsre Leiber ganz und gar. Haben diese im Leben dem vergänglichen Wesen gedient, so sind sie im Tode durch die Verwesung der Vergänglichkeit und Eitelkeit völlig dahin gegeben. Aber am Tage des Herrn wird das Verwesliche auferstehen unverweslich, unsere Leiber werden von den Sklavenketten des Todes frei, neugeboren aus dem Staub erstehen, schöner als Adam’s Leib im Paradiese, ähnlich dem verklärten Leibe Jesu. Denn wie wir auf Erden das Bild des gefallenen ersten Adam’s tragen, so werden wir auch das Bild des andern Adam’s tragen, unsers Jesus. Mit dieser Erneuerung unserer Leiber wird dann auch die völlige Theilnahme an der „Kindschaft“ erfolgen, welche St. Paulus als einen Theil der ersehnten Herrlichkeit preis’t, wenn er in unserm Texte spricht: „Wir sehnen uns auch bei uns selbst nach der Kindschaft.“ Zwar hier schon werden wir durch den Glauben an den gekreuzigten Sohn des Vaters Kinder, spüren oft Seinen Frieden, genießen Seine Liebe, doch aber nicht ungestört, sondern oft und viel unterbrochen. Wir sind auf Erden nur in Hoffnung selig, und wozu wir das Recht empfangen haben, das haben wir noch nicht in Händen. Der ganze Himmel ist uns zugesprochen, aber noch stehen wir vor seinen Thoren; alle Güter des ewigen Lebens sind uns verschrieben, aber noch nicht ausgethan. Wir sind eines großen Königs Erben, aber unmündig; wie man nun unmündigen Kindern nicht freie Hand läßt über ihr Vermögen, so haben auch wir, so lange wir hier wallen, weder Freiheit noch Geschicklichkeit, sondern nur Hoffnung, unsere Kindschaftsgüter zu verwalten. An jenem Tage aber wird uns alles ausgethan, und wir werden mit auferstandenen Leibern in allen Gütern unsers Vaters freudenvoll wandeln. – Zu dieser ewigen Kindschaft Gottes