Seite:Wilhelm Löhe - Sieben Predigten in Nürnberg zu St. Aegydien (2. Auflage).pdf/27

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was Er mit ihr meint; – sondern Er warnt auch am Ende dieser Predigt Seine Schafe mit treuem Herzen vor den Verführern, durch welche sie an der schmalen Straße irre gemacht und von ihr verleitet werden könnten. „Sehet euch vor vor den falschen Propheten!“ ruft Er mit mächtiger, liebevoller Stimme, – an die falschen Messias’e, an die falschen Apostel, an die falschen Lehrer denkend, welche nach seinem Hingang zum Vater die Zeit benützen, als Wölfe unter der Heerde, als Eber im Weinberg wüthen würden.

 Theure, werthe Seelen! Ich kann, ich darf es euch nicht verhehlen, – meine Jugend lockt mich zwar zu schweigen, aber mein Amt und der Eid, welchen ich der heiligen Kirche gethan, zwingt mich zu reden, – ich muß es euch bei Gelegenheit des heutigen Evangeliums sagen: Es sind viele falsche Propheten in unsern Tagen, – viele Verführer vom schmalen Wege, – viele, welche von dem Worte Gottes weichen und den Weg breit und bequem machen wollen, der zum Leben führt. Ja, wenn in irgend einer Zeit, so laufen die Christen in unserer Zeit Gefahr, durch Verführer um ihr ewiges Heil betrogen zu werden. Darum bedarf es gerade jetzt treuer Wächter, unerschrockener Zeugen, welche vom rechten und falschen Wege deutlichen Unterricht geben, auf daß Niemand ungewarnt verloren gehe.

 Wohl wahr! Alle, auch die treuen Zeugen sind nicht ganz rein, – in jedem Diener Gottes ist noch der alte Mensch als ein falscher Prophet. Unter allen kann ich mir am wenigsten anmaßen, ein treuer Diener und Zeuge des Herrn zu heißen. Viel Trauriges, was ich heute reden muß, paßt auch auf mich. Aber mag es mich gleich selber treffen: zeugen muß ich doch, auf daß ihr behutsam werdet, auf daß ihr nicht jeglichem Geiste glaubet, sondern euch vorsehet vor allen falschen Propheten, und von dem, was auch in treugesinnten Zeugen von dem falschen Propheten stammt.