Seite:Wilhelm Löhe - Sieben Predigten in Nürnberg zu St. Aegydien (2. Auflage).pdf/56

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Golgatha, vom Tragen des Kreuzespfahles, endlich mit Händen und Füßen an’s Kreuz genagelt und sechs Stunden lang aus großen Wunden Sein Blut verschüttend, über dies von einer mit Gottes Zorn beladenen Seele gedrückt: Diesen soll man sich scheintodt denken, in bloße Ohnmacht versunken, für Diesen soll man eine Hoffnung auf natürliche Neubelebung haben? Sahen doch die Kriegsknechte sammt ihrem Hauptmann die ganze Geschichte des Todes Jesu bis zum Verscheiden mit vorurtheilsfreier Besinnung an! Erzählt doch Markus 15, 44–45., wie Pilatus den Hauptmann auf das ernstlichste verhörte, ob der Gekreuzigte wirklich verschieden sey, und wie der Hauptmann es gerichtlich betheuerte! Ja, als dem mörderischen Schauspiel vor Einbruch des Sabbaths mit dem Beinbrechen ein Ende gemacht werden sollte, und die Kriegsknechte den Herrn schon verschieden fanden, brachen sie Ihm zwar die Beine nicht, aber einer von ihnen durchbohrte Seine Seite mit dem Speer. Da drang Blut und Wasser heraus, was bei lebendigen Körpern nie geschieht, und ein sichres Zeichen des vorübergegangenen Todes ist. St. Johannes erzählt die ganze Leidensgeschichte, die ohnehin schon laut genug redet, bis zur Seitenwunde ohne Unterbrechung; aber hier kann er sein brennendes Herz nicht dämpfen, feierlich bezeugt er C. 19, 35.: „Der das gesehen hat, der hat es bezeuget und sein Zeugniß ist wahr, und derselbige weiß, daß er die Wahrheit sagt, auf daß auch ihr glaubet.“ – Und alles das soll Scheintod seyn? Das Volk, der Hauptmann, die Kriegsknechte, St. Johannes sollen falsch gesehen, der Heilige Gottes sich und andere betrogen haben, da Er beim Brechen Seines Herzens rief: „In Deine Hände befehle ich meinen Geist!“? und Recht sollen behalten die Ungläubigen unserer Tage, darum, daß sie ungläubig sind, und des Tages Kinder? Was macht man doch um Gottes willen aus Dem, der die Wahrheit und das Leben ist, über welchem der Vater