Seite:Wilhelm Löhe - Zum Gedächtnis meines Pathenkindes Lorenz Wilh. Friedr. August Kündinger.pdf/11

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wie ein Regen, wie ein Spatregen, der das Land feuchtet.“ – Eine herrliche Beschreibung der Gnade der letzten Zeit, wie sie über Israel triefen wird! Keine Ursache zu staunen, wenn der HErr nach Luthers Uebersetzung selbst wie verwundernd V. 4. ausruft: „Wie will ich dir so wohl thun, Ephraim! Wie will ich dir so wohl thun, Juda!“




 Ein Thema aller Propheten, ein unwiderleglicher Satz, für welchen die ganze Schrift einsteht, ist der Hauptgedanke, welchen der Prophet Hosea in der Geschichte der zehen Stämme nachweist. Wahr für alle Völker, die Gott erkannten, denen er sich geoffenbart hat, – wahr für alle Familien, für alle einzelnen Seelen im Alten, wie im Neuen Bunde, im Neuen, wie im Alten, – ja im Neuen mehr, als im Alten, ist der Satz vom Zusammenhang der Sünde mit der Strafe, der Strafe mit der Umkehr, der Umkehr mit der Gnade. – Auf eine jede Sünde folgt ihre Strafe, auf ein von Gott abgekehrtes Leben folgt eine Zeit der Ahndung und Bestrafung. Wer ungestört eine lange Zeit im Leichtsinn und in Sicherheit der Sünden zuwandelt, der kann sicher sein, daß der Wagen seines Unglücks nur deshalb langsam kommt, weil er schwer beladen ist. Kommt er, entlädt sich der Reichthum aller Bitterkeit, die Gott sendet, denn schlägt man die Hände übers Haupt zusammen, wundert sich des Gottes, der nichts unvergolten läßt, und ruft mit Weh und Thränen: „Sein Verweilen ist ein Eilen!“ Wohl dem, der sich seines Irrweges besinnt, ehe die Strafe kommt, damit er bereit ist, wenn sie kommt! Wohl dem, der nach den Wetterwolken fragt, so lang noch heiterer Himmel ist: er erschrickt dann weniger, wenn sie sich entladen, – und er findet dann auch leichter den Zusammenhang zwischen Strafe und Umkehr, wenn er den Zusammenhang von Sünd und