Seite:Wilhelm Löhes Leben Band 1 (2. Auflage).pdf/15

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Wanderschaft nach Fürth. Dort lernte er meine Urgroßeltern und deren einzige Tochter, eine Glaserstochter Katharina geb. Golling kennen. Sie gaben ihm die Tochter, und seine Mutter schrieb ihm einen herrlichen Muttersegen[1], der in meinen Händen ist. Bald kaufte der geschäftige Mann ein nahes Handelshaus und eröffnete einen Specerei-Detailhandel, der reich gesegnet war. Seine zahlreichen Kinder mußten, als sie heranwuchsen, halbe Nächte lang einwiegen, was den andern Tag verkauft werden sollte. Ein in Ostindien lebender Bruder wurde herbeigerufen, um zum Werk zu helfen, was um so nöthiger wurde, als mein


  1. Mühlhausen, 4. December 1752.

     An
     den Ehr- und Kunstliebenden
     Drechslergesellen
     Adam Cristoph Walthelm
     Fürth.
     Weil dies schon das andere mal, daß Du mich um Deine Veränderung begrüßest, und das erste mal Dich als ein gehorsames Kind gegen Deine Eltern bezeiget und unserm Rath gefolget von Jugend auf, so bin ich für dieses mal nicht willens Dich von Deinem Vorhaben abzuhalten, wie wohl ich Dich ungern so weit von mir entfernt wissen soll; ja liebes Kind es kränket mich in der Seele, daß ich Dich nicht um mich haben kann, Dein Schwager und Schwester möchten gleichfalls das Herz im Leibe brechen, denn es ist Dir zur Genüge bekannt, daß sie alle ihre größte Freude an Dir gehabt, und ich auch jederzeit all mein Hoffnung auf Dich, mein liebes Kind, als eine Stütze in meinen alten Tagen gehabt, doch weil es nun so sein soll, und Dein Wille in Gottes Wille gestellet ist, und ich auch nicht zweifele, daß Du ohne Gott etwas anfangen werdest, und es also der göttlichen Providens gefallen, Dir in Fürth Dein Stück Brod zu geben, und Du von Gott dem Herrn dahin berufen bist, und auch ein recht liebreiches Herz gegen Deine Liebste und dero werthe Eltern hast, so wünsche ich Dir hiezu viel Glück, und denjenigen Segen, so Gott der Herr im vierten Gebot allen gehorsamen Kindern verheißen hat, weil Du Dich allezeit als ein gehorsames Kind aufgeführet hast, und sofern Dein mit Gott angefangenes Vorhaben sollte für sich gehen, so hast Du in Gottes Namen von uns allen ins gesammt das Ja hiezu und wünschen, daß Dich Gott in Zeit und [6]