Seite:Wilhelm Löhes Leben Band 1 (2. Auflage).pdf/22

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Krankenbetten ihrer Kinder wie manche Stunde! Jetzt ist sie eine kräftige, meist gesunde, fröhliche Frau voll Liebe zu den Ihrigen, voll Entschiedenheit für ihren Heiland, dem sie im Segen vielfach gedient und sich aufgeopfert hat, eine Helferin der Armen und Kranken, Haupt ihres Hauses und ihres alternden Mannes, meines ältesten Schwagers. Sie ist auch eine meiner größten Wohlthäterinnen und hat mein kleines Mädchen Marie-Anne mit der treuesten Mutterliebe ein Jahr lang bei sich gehabt. – Ihre einzige Tochter ist seit ein paar Jahren Ehefrau meines Freundes, des Professors Rudolph von Raumer in Erlangen. Ihr Sohn, meine Pathe, ist Oeconom. Zwei Kinder sind ihr in die Ewigkeit vorangegangen.

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 Mein einziger, noch lebender, 3 Jahre jüngerer Bruder Max ist ein Vater von 7 Kindern, Kaufmann, Christ, entschiedener Lutheraner, biderb, treu, ein Freund der väterlichen, schlichten Weise, dem Niedrigen hold, im Kreise weniger Jugendfreunde vergnügt, ein Kreuzträger, dem es oft schwer wird, dem Gott immer wieder hilft, ein glücklicher Gatte, mein vertrauter Freund von Jugend auf, bewährt in Lust und Leid, von dem ich mich auch nicht will abwenden lassen, wenn er manchen zu einsam, zu still, zu ernst ist, zu herb.

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 Allen meinen Geschwistern ist die Mutter nahe. Als sie meinem Bruder das väterliche Geschäft übergab, behielt sie sich, was bei uns selten ist, eine völlig freie Stellung und ihr ganzes Vermögen. Sie ist deshalb von uns Kindern völlig unabhängig, unsere Wohlthäterin bei jeder Gelegenheit, der aber von uns niemand eine Wohlthat erweisen kann und darf; eine Mutter von unaussprechlicher Liebe und Sorge, für keines so eingenommen, daß sie nicht hell unsere Mängel sähe, für jedes