Seite:Zeitschrift der Gesellschaft für Erdkunde zu Berlin II.djvu/100

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.

über den Haufen zu werfen und namentlich den Einfluß in Kaschgar zu befestigen. Darum strebten sie nach der Herrschaft im Chanat, und dessen innere Unruhen neuerer Zeit entstanden aus den Kämpfen der südlichen Karakirgisen und der Kiptschak mit dem zuvor herrschenden türkischen Stamme der Usbeken.

Taschkend war noch im Jahre 1800 die Hauptstadt eines besondern Chanats, das jedoch schon im Jahre 1810 wegen seiner inneren Schwäche den Angriffen Chokands erlag. Diese Schwäche entstand daher, weil es eine in drei Gebirgstheilen ansässige Bevölkerung – Taschkend, Tschemkend, Türkistān – enthielt, die nicht nur durch kirgisische Weideländer, sondern auch durch gegenseitige Handelseifersucht getrennt waren. Gemeinsam war ihnen nur die Furcht vor den Kirgisen, von deren räuberischen Einfällen sie viel zu leiden hatten. Dagegen fühlten Türkistān und die Heptapolis von Tschemkend sich stets gedrückt durch ihre commercielle Abhängigkeit von Taschkend, weshalb sie gern unter russische Herrschaft traten, und ebenso Aulie-ata, das erst von Chokand nach Unterwerfung Taschkends gegründet worden ist.

In Taschkend stoßen die Straßen aus dem Süden zusammen mit den beiden großen Karawanenwegen, von denen der eine nach Nord-West (Orenburg, Rußland) der andere nach Nord-Ost (Kuldscha und Tschugutschak in China einerseits, Westsibirien andrerseits) führt. Dieser seiner Lage verdankt Taschkend seine Bedeutung als großes Emporium Mittelasiens. Sein Hauptgeschäft ist mit Rußland und der Kirgisensteppe[1], dazu kommt in zweiter Linie der Transithandel aus Kuldscha und Tschugutschak nach Chokand und Buchara. So ist Taschkend der Centralpunkt des chokandschen Handels. Alle größeren Städte des südlichen Chokand – Andidschan, Usch, Margilan, Chokand – liegen an der einen großen Handelsstraße von Kaschgar nach Buchara und Westasien, mit Rußland und dem nordwestlichen China stehen sie über Taschkend in Verbindung. Allerdings zum Theil auch über Namangan, allein wenn dieses auch auf dem geraden Wege von Buchara nach Kuldscha und Tschugutschak liegt, so ist dieser doch für Karawanen beschwerlicher als der über Taschkend. Namangan treibt namentlich Handel mit den Karakirgisen im Gebirge, im Uebrigen ist es mehr Productionsort, dessen Erzeugnisse zum Export der Kaufmann von Taschkend aufkauft. Selten reisen die Kaufleute von Andidschan, Margilan, Chokand in die Länder russischen


  1. Im Jahre 1863 betrug die Ausfuhr Rußlands über die orenburgsche und sibirische Linie nach Mittelasien 4,904,925 R., die Einfuhr 9,760,727 R. Im Jahre 1864 die Ausfuhr 6,574,170 R., die Einfuhr 12,091,149 R. In welchem Umfange Taschkend bei diesem Waarenumsatz betheiligt war, läßt sich nicht angeben.
Empfohlene Zitierweise:
Verschiedene: Zeitschrift der Gesellschaft für Erdkunde zu Berlin. Zweiter Band. Dietrich Reimer, Berlin 1867, Seite 85. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Zeitschrift_der_Gesellschaft_f%C3%BCr_Erdkunde_zu_Berlin_II.djvu/100&oldid=- (Version vom 1.8.2018)