Seite:Zeitschrift der Gesellschaft für Erdkunde zu Berlin II.djvu/162

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Handels- und Völkerstraße, bis sie die äußersten Grenz-Handelsplätze, links abbiegend Kuldscha am Ili, rechts das nördlichere Tschugutschak erreicht hatte. Andererseits waren es in Türkestan die große, den Fuß seiner Umwallungsgebirge, des Thian-Schan, des Bolor, des Kün-lün begleitende Ringstraße, sowie die von Aksu nach Jarkand Nord-Süd gerichtete Querstraße, denen die Empörer nachgingen. Den Anfang ihrer Unternehmungen aber bezeichnete im Norden des Thian-Schan der Fall von Urumtschi. Seitdem muhamedanische Emissare und Flüchtlinge in das Gebiet dieser Stadt gekommen waren, begann es zu gähren. Die revolutionäre Propaganda fand hier selbst in der kaiserlichen Armee einen fruchtbaren Boden, da viele der dort stationirten Offiziere und Soldaten Dungener waren. Im Sommer 1864 erhoben sich die Dungenischen Soldaten unter Anführung ihrer Offiziere gegen die mandschurische Obrigkeit, nahmen Urumtschi mit Sturm und brannten einen Theil dieser ungeheuren Stadt, deren Bevölkerung (wahrscheinlich mit Zurechnung der nächsten Umgend) damals auf 2,000,000 geschätzt wurde, nieder. Großartige Theevorräthe gingen dabei zu Grunde, denn Urumtschi war der erste Handelsplatz des westlichen Chinas, welcher ganz Mittelasien und die russischen Steppenmärkte mit Thee versorgte[1]. Alle dort wohnhaften Mandschuren wurden erschlagen, nach offiziellen chinesischen Angaben belief sich die Zahl der Getödteten auf 130,000. Die in Urumtschi wohnenden Ssarten, d.h. alle nicht-dungenische und nicht aus Chinesisch-Türkestan stammende Muhamedaner sahen dem Kampfe der Mandschuren und Dungenen gleichgültig zu, aber die letzteren zwangen sie, sich ihnen anzuschließen, indem sie ihnen entgegengesetzten Falls mit gleicher Vernichtung drohten.

Von Urumtschi rückten die Insurgenten[WS 1] auf der großen Straße nach Westen gegen Manassy vor, bemächtigten sich hier einiger Geschütze und setzten dann ihren Marsch in der Richtung auf Kurkaraussu fort. Der Dsan-Dsun (Generalgouverneur) der Ili-Provinz warf den Empörern Truppen aus Kuldscha entgegen, welche geschlagen wurden und sich auf Bajandai zurückzogen. Die Aufregung begann nun auch unter[WS 2] den Dungenen und Ssarten im Ili-Thal.

Gleichzeitig mit der Bewegung gegen Manassy drang ein Insurgentencorps südlich von Urumtschi vor, überstieg den Thian-Schan und rückte in das Gebiet von Chinesisch-Türkestan ein. Hier traf der Aufstand auf ganz neue Verhältnisse, zu deren Aufklärung ein kurzer historischer Rückblick nöthig ist.


  1. Es müßte denn nach neueren russischen Nachrichten eine etwa 100 Werst (14–15 Ml.) östlicher liegende Stadt G(H)utschen oder G(H)ui-chuo-tschen, mongolisch Zontschi ihr diesen Rang streitig machen. S. Iswestija 1865, No. 2, S. 28.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Isurgenten
  2. Vorlage: unten
Empfohlene Zitierweise:
Verschiedene: Zeitschrift der Gesellschaft für Erdkunde zu Berlin. Zweiter Band. Dietrich Reimer, Berlin 1867, Seite 147. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Zeitschrift_der_Gesellschaft_f%C3%BCr_Erdkunde_zu_Berlin_II.djvu/162&oldid=- (Version vom 1.8.2018)