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in die Hände der Dungenen gefallen sein, wenn nicht plötzlich die Nachricht vom Anrücken bedeutender mandschurischer Streitkräfte aus dem inneren China sie veranlaßt hätte, Jarkand mit Hinterlassung einer Garnison unter dem Commando des Chan-Chodscha zu räumen, um nach Norden zurückzugehen und sich in Urumtschi, dem zunächst bedrohten Punkte, zu concentriren.

Um diese Zeit etwa muß der Aufstand auch in Chamil ausgebrochen sein, wenigstens war um die Mitte des Jahres 1865 die mandschurische Autorität dort vernichtet.

Bald trat eine Wendung der Dinge auch in Kaschgar ein. Bsruk-Chan, der Vertreter der Weißmützen-Dynastie, benutzte die in Folge der Verwickelungen mit Rußland in Chokand eingetretene Unordnung, um aus Andidschan, wo er internirt war, zu entfliehen. Er kam ohne Mannschaften, ihn begleitete nur ein ehemaliger chokandscher Offizier, Jussuf-Bek, früher Commandant von Ak-Metschet (jetzt das russische Fort Perofski), aber der Name Bsruk-Chans wog in Kaschgar eine Armee auf. Der letzte Aufstand von 1857 war hier von dem Bruder Bsruk-Chans unter dem Ruf: Es lebe Bsruk-Chan! angestiftet worden, und als er unglücklich endigte, trösteten sich die Fanatiker von Kaschgar mit dem Worte: „Wenn Bsruk-Chan zu Pferde steigt, wird Alty-Schähär frei!“ Beim Erscheinen des so lange Ersehnten erhob sich die ganze Stadt und schloß die mandschurische Besatzung in die Citadelle, den „Rosengarten“, ein. Im September


wieder besucht hat, aufhalten konnte. Ueber diese Reise hat Sir Henry Rawlinson in der Sitzung der Londoner geographischen Gesellschaft vom 12. November 1866 Mittheilungen gegeben, die sie als eine außerordentlich wichtige, namentlich in Hinsicht auf astronomische Ortsbestimmungen in jenen so wenig bekannten Gegenden erscheinen lassen. Wir entnehmen dem Slip of Meeting of the Roy. Geogr. Soc. of 12th Nov. 1866 folgende, unseren Gegenstand betreffende Angaben Johnson’s, in denen übrigens eine gewisse schiefe Auffassung der Dinge außerhalb Chotans leicht zu erkennen ist. Johnson berichtet, Jarkand, die Nachbarstadt Chotans, sei in einem Zustande der Anarchie, und erzählt von einem Anerbieten der vornehmsten Einwohner derselben, die Stadt unter englischem Schutz zu stellen. Vom Jaxartes und aus Chokand sei auf der Flucht vor den Russen eine große Menge Volks über das Gebirge gekommen, habe sich in den Besitz von Kaschgar und Jarkand gesetzt und kürzlich auch einen Versuch gemacht, sich Chotans zu bemächtigen. Hier herrscht ein Chan, den eine siegreiche Rebellion im Jahre 1863, welche mit gänzlicher Vertreibung resp. Vernichtung der Chinesen endigte, auf den Thron erhoben hat. Chotan habe zuerst sich des chinesischen Joches entledigt und seinem Beispiele seien Jarkand, Aksu u. a. Städte gefolgt. Zur Zeit der Anwesenheit Johnson’s war aber der Chan von Chotan in großer Besorgniß vor den chokandschen und russischen Truppen, welche letzteren jeden Tag näher an Jarkand und Chotan heranziehen sollten! Wichtig ist hier nur, daß man Chotan unter seinem Chan eigner Wahl eine unabhängige Stellung einnehmen sieht. Die astronomische Position der Stadt hat Johnson zu 37° 8′ nördl. Br. und 79° 25′ östl. Lg. v. Gr. bestimmt, bei einer Höhe von 4329 engl. Fuß über dem Meeresspiegel.
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Verschiedene: Zeitschrift der Gesellschaft für Erdkunde zu Berlin. Zweiter Band. Dietrich Reimer, Berlin 1867, Seite 150. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Zeitschrift_der_Gesellschaft_f%C3%BCr_Erdkunde_zu_Berlin_II.djvu/165&oldid=- (Version vom 1.8.2018)