Seite:Zeitschrift der Gesellschaft für Erdkunde zu Berlin II.djvu/337

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Münze nach dem westlichen China[1]. In der That finden wir, daß die Ausfuhr russischer Waaren nach Tschugutschak und Kuldscha der Münzausfuhr gegenüber nicht bedeutend ist. Als Beispiel mag das Jahr 1862 dienen, aus dem positive Angaben vorliegen. In diesem Jahre wurden nach Tschugutschak und Kuldscha für 129,719 Rubel russische Waaren und 111,862 Rubel in klingender Münze ausgeführt. Außerdem wird der ganze Thee, den die Steppenvölker hier für Rußland einhandeln, gegen baare Münze gekauft, und da nun der von den Letzteren im Jahre 1862 bei den russischen Zollämtern declarirte Thee nach den Preisen von Tschugutschak und Kuldscha einen Gesammtwerth von annähernd 364,700 Rub. repräsentirt, so steigt die Gesammtsumme des nach Westchina ausgeführten russischen baaren Geldes auf ungefähr 476,000 Rubel. Der Werth des ganzen von dort über die russische Grenze eingeführten Theequantums beträgt 515,000 Rubel, und der Gesammtwerth aller im westlichen China eingetauschten und gekauften Waaren beläuft sich auf 606,251 Rubel.

Sowohl die von Tschugutschak als die von Kiachta nach dem europäischen Rußland gelieferten Waaren gehen über Tjumen und verfolgen von dort aus weiter denselben Weg. Wenn man die Speditionskosten von Kiachta und Tschugutschak nach Tjumen mit einander vergleicht, so ergiebt sich, daß das Frachtgeld vom ersteren Orte relativ um 46% billiger steht als vom letzteren[2]. Wahrscheinlich kommt dies daher, weil auf dem Wege von Tjumen nach Kiachta, auf welchem auch die Waaren für den innern Consum Sibiriens passiren, mehr Beförderungsmittel im Verhältniß zu den zu befördernden Waaren zu Gebote stehen, als auf dem Wege von Tjumen nach Tschugutschak; wenn also der Waarenverkehr zwischen Tschugutschak und Tjumen noch zunehmen sollte, so wird nothwendig (?) der Frachtpreis noch steigen. Was den Weg von Kobdo nach Tomsk (1339 Werst) betrifft, so würden unstreitig bei einer bedeutenden Waarenversendung die Frachtkosten wegen des schlechten Zustandes der Wege


  1. Der Rubel enthält etwa 4¼ Solotnik reines Silber, mit den Transportkosten stellt sich sein Handelswerth in Tschugutschak und Kuldscha ungefähr auf 1 Rub. 20 Kop., d. h. 1 Solotnik auf 28¼ Kop. Im Lan sind 8¾ Solotnik Silber nebst einer unbedeutenden Legirung; wenn nun der Lan zum Werthe von 3 Rub. berechnet wird, so gilt 1 Solotnik Silber 34½ Kop., folglich wirft der Austausch von Silberrubeln ungefähr 20½ pCt. Gewinn ab.
  2. Von Kiachta bis Tjumen sind 3495 Werst, das Frachtgeld vom Pud betrug von 1860–1863 durchschnittlich 3 R. 30 K. Von Tschugutschak nach Tjumen sind es 1859 Werst; die Spesen vom Pud variiren auf der Strecke von Tschugutschak bis Ssemipalatinsk zwischen 70 Kop. bis 1 Rub., von hier bis Tjumen betragen sie 1 Rub. 50 Kop. – Durchschnittlich von Tschugutschak bis Tjumen 2 Rub. 35 Kop.
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Verschiedene: Zeitschrift der Gesellschaft für Erdkunde zu Berlin. Zweiter Band. Dietrich Reimer, Berlin 1867, Seite 322. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Zeitschrift_der_Gesellschaft_f%C3%BCr_Erdkunde_zu_Berlin_II.djvu/337&oldid=- (Version vom 1.8.2018)