Seite:Zeitschrift der Gesellschaft für Erdkunde zu Berlin II.djvu/338

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und der geringen Bevölkerung dieses Striches noch höher zu stehen kommen als zwischen Tschugutschak und Tjumen. Die Herstellung künstlicher Wasserverbindungen aber für die Handelswege nach Tschugutschak und Kobdo gehört für jetzt noch in das Reich unerfüllbarer Träume. Solche Anlagen existiren noch nicht einmal vollständig in Sibirien, obwohl es den Vorzug eines trefflich dazu geeigneten Flußnetzes genießt, und obwohl hier die Waarenbewegung, wenn man die für den innern Verbrauch bestimmten und die nach und von Kiachta gelieferten zusammen rechnet, auf etwa 2,000,000 Pud zu schätzen ist, eine solche Unternehmung also gewiß hier einen sicherern Gewinn abwerfen würde, als eine Wasserverbindung für den Specialhandel von Tschugutschak und Kobdo.

Fassen wir die Gründe, die den Vorzug der Straße über Kiachta vor denen über Tschugutschak und Kuldscha für den chinesisch-russischen Handel erklären, noch einmal zusammen.

Die größten chinesischen Märkte, auf denen der über die asiatische Grenze nach Rußland gebrachte Thee erstanden wird, liegen am Jantse-kiang (Hang-kao) und am Stillen Ocean (Fu-tscheu-fu). Hier auch ist die Hauptsumme des chinesischen Kapitals aufgehäuft; daher finden die chinesischen Kaufleute einen größeren Vortheil dabei, wenn sie zur Lieferung des Thees nach Rußland den billigen und jetzt gefahrloseren Seeweg von den großen Theemärkten nach Tien-tsin benutzen, als wenn sie die Transporte auf den schlechten Wegen im Innern China’s bewerkstelligen, wo sie überdies nicht nur der Zahlung der Innenzölle, sondern auch ruinirenden Ausgaben zur Befriedigung hungriger Beamten ausgesetzt sind. Wenn es nun aber im Vortheil des Handels liegt, die Theeladungen auf Tien-tsin zu spediren, so können sie eben von hier aus nur über Kiachta und Sibirien nach Rußland gelangen, auf einem Wege, der in der That zugleich der nächste und billigste von allen ist, die aus den Theeprovinzen China’s nach Rußland weisen.

Wenn der Thee von Kiachta an dem sogenannten Kantonthee, der über die westliche, europäische Grenze nach Rußland kommt, einen starken Concurrenten zu fürchten hat, so kann das Mittel des Widerstandes nur in einer Verminderung der Frachtkosten gefunden werden. Um diese herbeizuführen, wird es außer andern Maßregeln nöthig sein, zu dem früheren Wasserwege von Kiachta auf der Selenga, dem Baikalsee, der Angara, dem Ket, Obi, Irtysch, Tura bis Tjumen zurückzukehren. Auf einigen Strecken dieses Weges werden die Theelasten schon jetzt mit Dampfern befördert; von Tomsk bis Tjumen sind zehn Dampfer in Thätigkeit, auf dem Baikalsee bisher zwei, zu denen ein dritter jetzt hinzugetreten sein wird. An Vorschlägen

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Verschiedene: Zeitschrift der Gesellschaft für Erdkunde zu Berlin. Zweiter Band. Dietrich Reimer, Berlin 1867, Seite 323. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Zeitschrift_der_Gesellschaft_f%C3%BCr_Erdkunde_zu_Berlin_II.djvu/338&oldid=- (Version vom 1.8.2018)