Seite:Zeitschrift der Gesellschaft für Erdkunde zu Berlin II.djvu/94

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
IV.

Russische wissenschaftliche Expeditionen im Jahre 1864 und 1865 in Türkistān.

Nach russischen Quellen bearbeitet von Dr. Marthe.


Seitdem die russischen Fahnen am Syr-Darja entfaltet sind, dringt mit jedem Jahre mehr Licht in eine Gegend unseres Erdballes, von der wir zuvor nur unzuverlässige Kunde besaßen. Man muß es den Russen nachrühmen, daß sie der militärischen Eroberung der turanischen Länder die wissenschaftliche auf dem Fuße folgen lassen. Zeuge dessen sind die verschiedenen Expeditionen, die im verflossenen Jahre zur Erforschung jener Gebiete unternommen wurden, und von denen wir hier nebst Bezeichnung einzelner Resultate derselben Kunde geben möchten. Allerdings nicht alle Unternehmungen dieser Art sind rein wissenschaftlichen Motiven entsprungen, keine aber wird voraussichtlich für die geographische Erkenntniß jener Länder unfruchtbar sein[1].

1) Die erste der zu erwähnenden Expeditionen hatte zunächst administrative Zwecke. Eine Kommission unter Leitung des wirkl. Staatsraths Girs wurde beauftragt, die Orenburgischen und Sibirischen Steppen zu bereisen, sich mit der Lebensweise, den Sitten und Gebräuchen der Kirgisen bekannt zu machen, genaue und möglichst vollständige statistische Nachrichten über sie zu sammeln, um sodann Vorschläge zu einer bessern Administration dieser Nomadenstämme zu machen, namentlich darüber, wie die feste Vertheilung und Abgrenzung des Grund und Bodens unter den Nomaden zu bewerkstelligen und durchzuführen ist. Einige Abhandlungen des Obersten Heinz im „Woienny Sbornik“ und in den „Iswestija“ der Russ. geogr. Ges. (1866, Nr. 3: Aufstand der muselmanischen Bevölkerung oder der Dungenen im westlichen China) sind schon Früchte der Thätigkeit dieser Kommission, deren Arbeit auf mehrere Jahre berechnet ist.

2) Die Kommission unter Führung des General-Lieut. Dlotofski hatte zur Aufgabe, die Grenze zwischen den Ländern der Uralschen Kosaken und der Kirgisen am linken Ufer des Ural festzustellen.


  1. Die folgenden Angaben sind entnommen einem Aufsatze von Romanofski, Geographische Forschungen in der Kirgisensteppe, abgedruckt in No. 1 der Iswestija der Russ. geogr. Gesellsch. 1866.
Empfohlene Zitierweise:
Verschiedene: Zeitschrift der Gesellschaft für Erdkunde zu Berlin. Zweiter Band. Dietrich Reimer, Berlin 1867, Seite 79. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Zeitschrift_der_Gesellschaft_f%C3%BCr_Erdkunde_zu_Berlin_II.djvu/94&oldid=- (Version vom 1.8.2018)