Seite:Zeitschrift der Gesellschaft für Erdkunde zu Berlin IV.djvu/142

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.

mit und führte den ersten Theil desselben glücklich zu Ende, der Aul Burambai’s fiel in seine Gewalt, aber auf dem Rückwege wurde er mit Uebermacht angegriffen und vollständig umzingelt. In dunkler Nacht entbrannte nun am Flüßchen Schaty auf der Südseite des Sees ein erbitterter Kampf. Urman fand an Klytsch, dem an Sohnesstatt angenommenen ältesten Neffen Burambai’s, der später wegen seiner Wildheit den Beinamen des Tigers von Issyk-Kul empfing, einen ebenbürtigen Gegner. Tödtlich von diesem verwundet gerieth er in Gefangenschaft, wurde in die Jurte des Emirsak, des Sohnes von Burambai, getragen und gab hier in den Armen der geliebten Tochter, die dessen Weib war, seinen Geist auf.

Durch den Fall Urman’s ermuthigt, sammelten die Bogu ihre gesammte Streitmacht und rückten am Terskei, d. h. Südufer des See’s vor. Ihnen entgegen zog ebenfalls mit gesammter Macht Umbet-Ala, der älteste Sohn und Nachfolger Urmans. Ein tiefer und reißender Bergstrom trennte allein noch die feindlichen Parteien, aber keine wagte im Angesicht des Feindes überzusetzen und anzugreifen. Vergebens ritten die Batyr, die Heldenjünglinge beider Stämme, zum Flusse vor und forderten durch Spott und Schimpf den Feind zum Kampfe heraus; mehr als eine Woche verging in Unthätigkeit. Da ersann Umbet-Ala einen Streich, der ganz seines Vaters würdig war. Im Lager ließ er einige hundert Reiter zurück und befahl ihnen, jede Nacht dieselben Wachtfeuer anzuzünden, er selbst aber brach in dunkler Nacht mit einer erprobten Schaar auf, umritt den See an seinem Nordufer, dem Kungei, und gelangte so zu den wehrlosen Auls Burambai’s, die sich damals an der Mündung des Tub am Ostufer befanden. Hier waren nur Frauen, Kinder und Sklaven zurückgeblieben, daher konnte Umbet-Ala nicht nur Pferde- und andere Viehheerden in Menge, sondern auch einen großen Theil der Kinder und Frauen aus der Familie des Burambai, darunter seine eigene Schwester, das Weib Emisarks, als Beute entführen. Als einige Telenguten Burambai’s mit der Nachricht dieses Ueberfalls in das Lager auf dem Terskei sprengten, war die Bestürzung und die Wuth hier grenzenlos. Burambai eilte sofort mit seiner ganzen Macht zurück, traf aber seine Auls verödet und vermochte auch nicht mehr die Ssara-Bagisch auf dem Kungei einzuholen. Nur der Nachtrab der letzteren, etwa 50 Mann, wurde von Klytsch erreicht, zur Ergebung gezwungen und sodann ohne Gnade niedergesäbelt. Umbet-Ala rückte nun von Neuem in’s Feld, am Nordostende des Issyk-Kul stellten sich ihm die Bogu, und es kam zur blutigen Entscheidungsschlacht. Die Letzteren wurden geschlagen und mußten mit ihren sämmtlichen Auls und dem Ueberrest ihrer Heerden an den Tekes und den Karkara

Empfohlene Zitierweise:
Verschiedene: Zeitschrift der Gesellschaft für Erdkunde zu Berlin. Vierter Band. Dietrich Reimer, Berlin 1869, Seite 126. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Zeitschrift_der_Gesellschaft_f%C3%BCr_Erdkunde_zu_Berlin_IV.djvu/142&oldid=- (Version vom 1.8.2018)