Seite:Zeitschrift der Gesellschaft für Erdkunde zu Berlin IV.djvu/150

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und der Mitte des Sees entsprachen; zwischen diesen Meridianen scheint der Kamm des Thian-Schan etwas zu sinken. Die ganze blaue Oberfläche der Westhälfte des Sees erschien so deutlich, wie auf einer Karte, mit ihren Buchten, Vorsprüngen und Einschnitten. Im Norden oder vielmehr im Nordosten war in den klarsten Umrissen und dabei ziemlich nahe der dreigipflige Hauptstock der nördlichen Kette des Alatau, der schneebedeckte Talgarnyn-Tal-Tschoku, zu erkennen, dessen Höhe nach annähernder Schätzung sich auf 14,500–15,000 F. belaufen wird.

Das Niedersteigen vom Dürenyn-Assy war fast noch gefährlicher als das Aufsteigen. Im Anfange war der Weg so steil und felsig, dabei die Zwischenräume der schlüpfrigen Felsen so mit Schnee überdeckt, – am Nordabhange lag überhaupt mehr lockerer Schnee als auf dem südlichen – daß die Pferde am Zügel geführt werden mußten, und doch Menschen und Thiere fortwährend stürzten, den Abhang in malerischer Unordnung hinabrollend. Zum Glück kamen die einen wie die andern ohne ernstlichen Schaden davon. Der Steilhang, der so zurückgelegt wurde, bestand aus Gneiß. In einer Senke sammelte sich die Karavane, links von ihr in einer andern Einsenkung lag der kleine Alpensee Dürenyn-Kitschkene-Kul. Vor ihr zeigte sich in der Tiefe das Längsthal des Kebin, welches den westlichen Flügel des Alatau auf einer Strecke von 100 Werst = 40 Meilen in zwei Parallelketten, eine nördliche und eine südliche, scheidet. Nach kurzer Erholung ging es beim Mondlicht, immer noch furchtbar steil, weiter hinab, bis nach 2½ Stunde die obere Grenze des Baumwuchses und ein Gebirgsbach, der nördliche Dürenyn-Ssu, der mit ungewöhnlich raschem und stürmischem Fall durch ein kleines enges Querthal in das Längsthal des Kebin fließt, erreicht war. Das wilde, romantische Thal des nördlichen Dürenyn ist mit malerischen Gruppen und Wäldchen hochstämmiger Fichten (picea Schrenkiana) besetzt. Unter solchen wurde, nachdem noch 1½ Tausend Fuß von der oberen Grenze der Baumvegetation zurückgelegt waren, das Bivouac aufgeschlagen, und lustig brannten zum ersten Male wieder seit dem Uebergange über den Ssuok-Tübbe die Feuer, über welchen die Kessel mit Eberfleisch brodelten. Am Himmel stand der Mond und übergoß mit hellem Lichte die Berggipfel, während die eingeschnittenen Schluchten und Klüfte im tiefsten Dunkel lagen. Da lebten die Kosaken wieder auf, sangen ihre muntersten Lieder, und es regte sich ihr Unternehmungsgeist; zwei von ihnen fehlten beim Appell, ihre Kameraden kicherten, und am Morgen waren sie da, beladen mit – Branntwein, den sie aus Wärnoje jenseit der Nordkette, 7 Meilen weit, herbeigeschafft hatten!

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Verschiedene: Zeitschrift der Gesellschaft für Erdkunde zu Berlin. Vierter Band. Dietrich Reimer, Berlin 1869, Seite 134. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Zeitschrift_der_Gesellschaft_f%C3%BCr_Erdkunde_zu_Berlin_IV.djvu/150&oldid=- (Version vom 1.8.2018)