Seite:Zeitschrift der Gesellschaft für Erdkunde zu Berlin IV.djvu/149

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.

paniculatum. Von den kleinen Wasserläufen, die man durchschnitt, war nur der Taldy-Bulak durch eine Reihe von Weiden und Sanddorn bezeichnet. Nach mehr als 2 Meilen (15 Werst) Marsch auf der geneigten, steinigen Ebene des Kungei gelangte man zu den ersten Hügeln oder Vorbergen des Alatau. Diese Hügel bestanden zuerst aus Diluvialboden, wurden aber bald höher und ließen krystallinisches Gestein, namentlich Syenit, zu Tage stehen. Zwischen diesem zeigten sich auch Ausgänge von Diorit und Diorit-Porphyr. Ein gewundener Pfad führte durch diese nackten, steinigen und, wie es schien, völlig unfruchtbaren Vorberge nach einer Meile an den Fluß Turaigyr, wo unter den größten Vorsichtsmaßregeln, da die Russen ja nach dem Verlassen der kirgisischen Auls den heiligen Charakter von Gästen verloren hatten, übernachtet wurde.

Die Nacht verging ruhig, und am 11. October geschah der Aufbruch früher als gewöhnlich, da der schwierige Uebergang über die Südkette des Alatau bevorstand. Vom Turaigyr ging es nach NO über die Ausläufer des Gebirgs, welche die Bäche Turaigyr, Kysyl-Bulak, Kabyrga-Bulak und Dürenyn-Ssu von einander trennen; an dem ersteren stand rother Granit, an einem der späteren Diorit zu Tage. Nach 4stündigem langsamen Aufsteigen war der Dürenyn-Ssu erreicht, wo Halt gemacht wurde, um – eine Saujagd abzuhalten. An den Rändern des Flusses stand dünnes Eis; auf seiner Ostseite erhob sich ein hoher und steiler Felsenkamm von rothem Granit, an dessen Fuße sich ein Sumpfstrich hinzog. Aus diesem brach eine Heerde Wildschweine hervor, auf welche die Kosaken Jagd machten und glücklich einen Eber von ungeheurer Größe erlegten. Längs des eben erwähnten Granitkammes ging es endlich wieder in die Höhe, auf der andern Seite des Baches zog sich Gneiß hin. Der Weg wurde allmählich immer steiler, war jedoch noch erträglich, so lange er dem Bache zur Seite blieb. Als dieser jedoch links liegen blieb, und in gerader nördlicher Richtung der steile Granitberg, welcher das Thal schloß, erklommen werden sollte, wurde die Sache selbst gefährlich. Furchtbare Gneißfelsen, zum Theil mit lockerem Schnee bedeckt, lagen im Wege, und es dauerte 3 Stunden, ehe die Höhe des Passes erreicht war. Ein Kameel und drei Pferde mußten in dieser Wildniß ihrem Schicksal überlassen werden, da sie nicht weiter zu bringen waren. Den Paß nannten die Führer Dyrenyn-Assy, und Ssemenof schätzte seine Höhe auf etwa 9000 Fuß. Von einem an den Paß angrenzenden Gipfel hielt Ssemenof noch einmal im Abendsonnenschein Umschau und Rückschau. Die Schneeriesen des Himmelsgebirges erglänzten hell im Strahl der untergehenden Sonne in allen Regenbogen-Nüancen. Als höchste erschienen die, welche dem Meridian der Westspitze

Empfohlene Zitierweise:
Verschiedene: Zeitschrift der Gesellschaft für Erdkunde zu Berlin. Vierter Band. Dietrich Reimer, Berlin 1869, Seite 133. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Zeitschrift_der_Gesellschaft_f%C3%BCr_Erdkunde_zu_Berlin_IV.djvu/149&oldid=- (Version vom 1.8.2018)