Seite:Zeitschrift der Gesellschaft für Erdkunde zu Berlin IV.djvu/229

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verschiedenen Benennungen (Kullok, Temirlik, Tschanpanyn), weiterhin unter dem allgemeinen Namen Nan-Schan, bildet hier über den Durchbruch des Tekes hinaus die Vorkette des Thian-Schan und schließt sich dem gigantischen Bergjoch Bogdo-Oola an. Nach Westen zu bildet die Verlängerung des Trans-Ilischen der Kirgisnyn-Alatau (oder das Alexandergebirge), der sich zwischen dem Tschu und Talas erstreckt und mit dem westlichen Thian-Schan (von Ssäwerzof Urtak-Tau benannt) durch das Bergjoch in Verbindung steht, welches die Wasserscheide zwischen den oberen Zuflüssen des Koschkar und des Talas herstellt. Mit diesen östlichen und westlichen Fortsätzen bildet der Trans-Ilische Alatau unzweifelhaft die Vorkette des Thian-Schan, von welchem er auch in seinem geognostischen Bau wenig verschieden ist.

Wir betrachten hier nur den Trans-Ilischen Alatau im engeren Sinne innerhalb der oben bezeichneten Grenzen. Die höchst characteristische Eigenthümlichkeit dieses Gebirgszuges ist die merkwürdige Symmetrie seiner orographischen Gestaltung. Das Gebirge besteht aus zwei hohen Parallelkämmen, der oft genannten Nord- und der Südkette. Beide Kämme sind beinahe im Meridian der Mitte des Issyk-Kul durch ein Querjoch verbunden, welches das tiefe, beide Ketten trennende Längsthal wie durch eine Scheidewand in zwei mit den Spitzen zusammenstoßende Längsthäler abtheilt, aus denen nach West in der Richtung nach WSW. der Große Kebin zum Tschu, nach Ost in der Richtung nach ONO. der Tschilik, ein linker Zufluß des Ili, abfließen. Dem Querjoche entspricht in der Nordkette der höchste Punkt des ganzen Gebirges, der Talgarnyn-Tal-Tschoku, zu dessen beiden Seiten auf je 7 Meilen hin das Gebirge ewigen Schnee auf seinem Rücken trägt. Jedes der beiden Längsthäler hat etwa eine Länge von 14 Meilen (100 Werst) bei einer Breite von 2½–3 Werst. Der Tschilik bricht aus seinem Längsthale durch einen Querspalt der niedriger gewordenen Nordkette und wendet sich weiterhin nach Norden, der Kebin durchschneidet zuletzt in einer wilden Schlucht diagonal die Südkette und strömt im nördlichen Theile des Engpasses von Buam in den Tschu ein.

Es gehört ferner zur Symmetrie dieses merkwürdigen Gebirges, daß die beiden Ketten desselben an ihrem östlichen und westlichen Ende allmählich aus einander treten, daß demnach die beiden Längsthäler in demselben Verhältniß sich erweitern, und daß in jedes dann eine mit den Hauptketten parallele Zwischenkette eingeschoben ist. Im Osten heißt dieser Nebenzug Dalaschik und scheidet von dem Längsthale des Tschilik das nördliche kürzere Längsthal Dschenischke. Im Westen heißt diese Zwischenkette Utsch-Konur und trennt vom Großen Kebin den nördlichen, sehr kurzen Kleinen Kebin. (Die

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Verschiedene: Zeitschrift der Gesellschaft für Erdkunde zu Berlin. Vierter Band. Dietrich Reimer, Berlin 1869, Seite 213. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Zeitschrift_der_Gesellschaft_f%C3%BCr_Erdkunde_zu_Berlin_IV.djvu/229&oldid=- (Version vom 1.8.2018)