Seite:Zeitschrift der Gesellschaft für Erdkunde zu Berlin IV.djvu/237

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unter 6000 Fuß sinkt, wird auch die darunter liegende Kulturzone trocken und unfruchtbar und nähert sich dem Steppencharakter. Ihre besondere Wichtigkeit hat diese Zone für die russische Kolonisation, wie denn auch alle russischen Ansiedelungen mit einer Ausnahme innerhalb derselben liegen. Auch die kirgisischen und kara-kirgisischen Kulturfelder gehören größtentheils eben dieser Zone an, nicht minder ihre Winterquartiere überall da, wo der orographische Bau der von ihnen besetzten Territorien ihnen die Benutzung der warmen Steppenzone versagt. Am Nordabhange des Trans-Ilischen Alatau hat übrigens die russische Kolonisation die Kirgisen aus allen gut bewässerten Theilen dieser Zone vollständig verdrängt und ihnen nur die trockeneren, unfruchtbaren Theile übriggelassen. Das ist aber, meint unser russischer Gewährsmann, kein Schade für die so Depossedirten, denn in ihrem unbestrittenen (?) Besitze sind die für ihre Wirthschaft d. h. für die Viehzucht wichtigsten Zonen geblieben, die Steppenzone zur Winterweide und die alpine zur Sommerweide. Ihr Ackerbau hat natürlich gelitten, dafür ist ihnen die Möglichkeit gegeben, gegen die Erzeugnisse des russischen Ackerbaues mit Vortheil die Ueberschüsse ihrer Heerdenwirthschaft umzusetzen, welche letztere durch die seit der russischen Besitzergreifung hergestellte Sicherheit gegen Raub und Plünderung einen mächtigen Aufschwung genommen haben soll. Die russischen Ackerbau-Kolonien sind jedenfalls, nach des eben Genannten Meinung, vortheilhafter für die eingeborenen Nomaden als militärische Posten, da der Bauer-Kosak dem nomadisirenden Nachbar nicht mehr als Feind und Bedränger erscheinen, sondern durch den nothwendigen gegenseitigen Austausch der beiderseitigen Producte freund-nachbarliche Beziehungen mit diesem zu unterhalten geneigt und genöthigt sein wird. (Die Meinung der in so glückliche ökonomische Verhältnisse gestellten Kirgisen wird nicht mitgetheilt.)

Die dritte Zone wäre als Zone der Nadelhölzer oder subalpine zu bezeichnen. Sie erstreckt sich von 4500 oder 5000 Fuß bis zu den Grenzen der Waldvegetation d. h. 7600 und 8000 Fuß. Die vorherrschende Art dieser Zone ist die Fichte (Picea Schrenkiana). Daß auch Laubbäume hier noch vorkommen, wurde oben schon bemerkt. Zu den Sträuchern dieser Zone gehören: Athragene alpina L., Berberis heteropoda Schr., Evonymus Semenowii R. et H., Rhamnus cathartica L., Spiraea hypericifolia L., Sp. oblongifolia Wald., Rosa pimpinellifolia Dc., Cotoneaster nummularia Fisch., Cot. multifloria Bge., Myricaria davurica Ehr., Ribes rubrum L., R. atropurpureum Mey., Lonicera tatarica L., L. xylosteum L., L. microphylla W., L. hispida Pall., L. coerulea L., L. Karelini, L. humilis Kar., Hippophae rhamnoides L., Juniperus pseudosobina Fisch., zwei Arten Salix.

Empfohlene Zitierweise:
Verschiedene: Zeitschrift der Gesellschaft für Erdkunde zu Berlin. Vierter Band. Dietrich Reimer, Berlin 1869, Seite 221. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Zeitschrift_der_Gesellschaft_f%C3%BCr_Erdkunde_zu_Berlin_IV.djvu/237&oldid=- (Version vom 1.8.2018)