Seite:Zerstreute Blaetter V.djvu/104

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andern Welt, können in ihr erscheinen; warum also sollten nicht auch Abstraktionen und Personificationen in ihr erscheinen dörfen? Kurz Parabel ist eine Gattung Gedichte, die zwischen der Fabel, dem Emblem, der Allegorie und Personification in der Mitte liegt, und wenn sie enthüllt wird, die schwersten und leichtesten Denksprüche auf ihrem breiten Rücken tragen kann; mögen also diese vermischte Dichtungen Parabeln heißen.

Dies mögen sie denn auch, meinte ich, für unsre Zeit seyn; in der Welt nichts als Gleichnißreden, die Andreä aus seiner, für seine Zeit machte, und die der unsrigen nur als alte Parabeln vorkommen sollen, und vorkommen werden. Mich dünkt, ich höre und lese bereits: „Gottlob, daß das alles nicht mehr auf unsre Zeit passet! wie weit sind wir voran!“ und freue mich darüber, und sage auch Gottlob! Und dennoch bitte ich diese alten Gleichniß- oder Ungleichnißreden mit nachsehender Geduld zu lesen. Denn

Empfohlene Zitierweise:
Johann Gottfried Herder: Zerstreute Blätter (Fünfte Sammlung). Carl Wilhelm Ettinger, Gotha 1793, Seite 88. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Zerstreute_Blaetter_V.djvu/104&oldid=- (Version vom 1.8.2018)