Seite:Zerstreute Blaetter V.djvu/188

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insonderheit aber aus fremden, der lateinischen und Provenzalsprache, wie wir bei den Dichtern des schwäbischen Zeitalters sehen werden. Reine Reime also und eine Scansion nach unsrer Weise in diesen uralten Gedichten suchen zu wollen, wäre ganz ausser Stelle und Ort, da wir Einerseits die damalige Aussprache vieler dem Otfried noch fast unschreibbaren Worte nicht wissen, Andrerseits die Poesie der Nordländer, den Skaldengesängen zu Folge, auf einem freieren Wege der Assonanz, des Zusammentreffens der Töne einen rauhen Wohlklang suchte. Damit schließe ich die Mühe nicht aus, die der Mönch Otfried seinem eigenen Geständniß nach sich gegeben, mit Griechen und Römern im Sylbenmaas zu wetteifern. Er redet darüber weitläuftig und mit ängstlichem Zwange; seine Arbeit selbst aber zeiget, wie weit er darinn gekommen und was er geleistet.

So viel von den Füßen dieser uralten Versuche; laßen sie uns auch von ihrem Körper und[WS 1] Geist reden.

  1. Vorlage: nnd
Empfohlene Zitierweise:
Johann Gottfried Herder: Zerstreute Blätter (Fünfte Sammlung). Carl Wilhelm Ettinger, Gotha 1793, Seite 172. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Zerstreute_Blaetter_V.djvu/188&oldid=- (Version vom 1.8.2018)