Seite:Zerstreute Blaetter V.djvu/224

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Heinrichs des siebenden der Lieblichkeit ihres Dialekts entraubt habe. Sie soll auch die einzige seyn: denn man muß diese Poesien nothwendig in ihrer Mundart selbst lesen. Jeden harten Buchstaben oder Vocal, den man aus unsrer rauheren Sprache einschaltet, jedes sanfte Bindewort, das man ausläßt, weil es uns ungeläufig ist, jede Regel der Grammatik und Construction, die man verändert, tödtet eine Grazie des Dichters. Bodmer hatte Recht, daß er diese Sprache so hoch pries, und Umbildungen dieser Gedichte nicht versuchte; sie sind äußerst schwer, ja fast unmöglich, es sei denn, daß man sie blos des Verständnisses wegen in Prose gebe. Sie kennen das schöne Lied König Konrads, (Vaters des unglücklichen Konradin:)

Ich freue mich mancher Blumen roth,
die uns der Meye bringen will u. f.

Sie kennen den ungemein schönen Klagegesang des Herzogs Heinrich von Breßlau, den uns Götz in seiner Manier verkürzt gegeben:

Empfohlene Zitierweise:
Johann Gottfried Herder: Zerstreute Blätter (Fünfte Sammlung). Carl Wilhelm Ettinger, Gotha 1793, Seite 208. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Zerstreute_Blaetter_V.djvu/224&oldid=- (Version vom 1.8.2018)