Seite:Zerstreute Blaetter V.djvu/355

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der Geschmack der Bartolisten nicht anstand, daß er sich darüber auf seine Art äußerte, daß ihm die schöne Literatur in Italien wohlbehagte, daß er von allen, die seine Talente kannten, geschätzt wurde, u. s. w. Eben da er in Italien den Rechten oblag, kam ihm ein Umstand ganz andrer Art in den Weg, Ihn als den, der Er war, zu zeigen und zu üben. Der Herzog in Würtenberg hatte seinen Vetter Johann von Hutten mit eigner Hand im Walde umgebracht: und nun ließ Hutten, der eben so sehr Edelmann, und Geschlechtsvertheidiger als Deutscher und Freiheitvertheidiger war, Klagen, Briefe, Deplorationen, endlich fünf Invektiven gegen den Mörder ausgehn, die, als wahre Demosthenesreden von Herz und Seele, die Sprache der Unschuld und Rache sprachen und gegen einen Thäter, der Herzog war, alles zu Hülfe nahmen. c)[1] Weiterhin werden wir unsern Demosthenes


  1. c) Vor einer Sammlung dieser Schriften sagt er:
    [356]

    Sei nicht, o Leser, von zu zartem Ohr;
    sonst ist die herbe Speise nicht für dich.
    Ein hartes Werk beginnen wir, und hart
    sind unsre Worte: denn auch Er war hart,
    auf den wir treffen und hart seine That.
    Wenn du dies Bändchen liesest, denk’: es schrei’t
    ihn unschuldig-ungerächtes Blut.

    Und am Ende des Buchs sagt er:

    Hassen, o Leser, kannst du mein Buch nicht; nur den Tyrannen
         kannst du hassen und mußt, wer du vom Volke auch seyst.
    Hassenswerth ist die That, und hassenwerth, der sie übte;
         aber verdienet der, der sie verkündiget, Haß?
     Redlich für die Sache.
     Hutten.

Empfohlene Zitierweise:
Johann Gottfried Herder: Zerstreute Blätter (Fünfte Sammlung). Carl Wilhelm Ettinger, Gotha 1793, Seite 339. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Zerstreute_Blaetter_V.djvu/355&oldid=- (Version vom 1.8.2018)