Seite:Zerstreute Blaetter V.djvu/381

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Huttens Freunde auch nicht sein Feind heißen, schob es auf Huttens Krankheit, daß er ihn nicht gesprochen, u. s. w. Da trat Hutten auf und expostulirte öffentlich mit ihm, daß das Alles


sehr an, seinen Muthwillen ein wenig zu zähmen, damit würden sie nicht sowohl ihm, als andern Künsten, die dadurch befleckt sind, einen grossen Dienst und Nutzen beweisen.“ Hutten bat sich Erasmus Schreiben noch unterm 15. Aug. zur Verantwortung aus; und den 29. Aug. starb er. Ein Zürcher Gelehrter sollte Erasmus Briefe an Zwingli bekannt machen, in denen um diese Zeit gewiß auch von Hutten manches vorkommen wird. Tantae animis coelestibus irae!

Rückst du dem Unglückseligen noch sein trauriges Schicksal
     Vor, als wäre das Glück, wäre der Zufall ein Gott?
Ward Aeneas nicht auch und Ulysses lange verfolget?
     Und war Jener und Er nicht ein rechtschaffener Mann?
Der du das Unglück nur als Schuld betrachtest, o fürchte,
     Daß auch Deiner sich einst Niemand im Leiden erbarmt.
 Hutten.

Melanchthon dachte hiebei billiger und gerechter. Als der Poet Nachtigall (Luscinius) den todten Hutten mit Versen verfolgte, sagte er auf ihn die Verse.

Der du, o Grausamer noch, unglückliche Leichen zerreißest,
Nenne dich Nachtigall nicht, nenne dich Geier hinfort.

Empfohlene Zitierweise:
Johann Gottfried Herder: Zerstreute Blätter (Fünfte Sammlung). Carl Wilhelm Ettinger, Gotha 1793, Seite 365. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Zerstreute_Blaetter_V.djvu/381&oldid=- (Version vom 1.8.2018)