Seite:Zerstreute Blaetter V.djvu/98

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.

sprechen darf, wie bei politischen Gegenständen. Da wollte er also andeuten, wollte den Gedanken fast ohne Körper sichtbar machen, und bei dem kaum angedeuteten Körper wiederum neue Gedanken in Worten hinzumahlen. Die grosse, offene Poesie erlag also unter Witz und Politik, unter geheimen Winken, dahin geworfenen Bidern, unausgeführten, mit sich selbst kämpfenden Zügen; die Kunst verbarg sich in Embleme.

Es wird anderswo Gelegenheit seyn, den Geist der reinen griechischen Allegorie vom emblematischen Schatten späterer Zeiten näher zu unterscheiden; hier bleiben wie bei den Sinn- und Denkbildern, von denen wir reden. Andreä, der die Italienische und Spanische Sprache liebte, und alles Witzige kannte, was damals im Gange war, nahm auch an der Form ihrer Einkleidungen Theil; insonderheit scheint Boccalini auf ihn viel gewirkt zu haben. Da sein Gewissen ihn trieb, die Fehler seiner Zeit zu rügen, und sich die nackte Wahrheit nicht sehen

Empfohlene Zitierweise:
Johann Gottfried Herder: Zerstreute Blätter (Fünfte Sammlung). Carl Wilhelm Ettinger, Gotha 1793, Seite 82. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Zerstreute_Blaetter_V.djvu/98&oldid=- (Version vom 1.8.2018)