Seite:Zweihundert deutsche Männer in Bildnissen und Lebensbeschreibungen.pdf/53

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Joachim Camerarius senior.jpg


Joachim Camerarius.
Geb. d. 12. April 1500, gest. d. 17. April 1574.


Der Mitgenosse einer denkwürdigen Zeit; gelehrt und klug, mithandelnd in dem großen Schauspiel der deutschen Geschichte, das die Reformationsepoche vor Augen stellte, erwarb er verdiente Anerkennung und dauernden Nachruhm.

Sprößling eines edlen und angesehenen Geschlechts, welches Würdenträger des bischöflichen Erb-Kämmerer-Amtes war und das sich vom Ahn auf den Enkel stets mit dem Amtstitel: die Cammermeister nannte, wurde Joachim als mittlerer Sohn des Hans Cammermeister in Bamberg geboren, wo es nicht an Gelegenheit fehlte, gute wissenschaftliche Vorstudien zu machen. Da die Familie eigentlich aus Forchheim abstammte, so waren Joachim’s Aeltern bekannt und befreundet mit Georg Held aus Forchheim, der in Leipzig Theologie und Philosophie mit vielem Beifall lehrte, und sandten diesem den Sohn, daß er dessen academische Studien leite. Fleiß und früh entwickelte Geistesgaben befähigten den jungen Cammermeister, schon im 13. Jahre die Hochschule zu beziehen und im 14ten zu disputiren. Vom kalten Fieber, einer in Leipzig leider gar nicht seltenen Krankheit, ergriffen, daran er später noch öfter litt, mußte er seinen Studiengang eine Zeitlang unterbrechen und nach Hause reisen, doch kehrte er 1515 wieder dorthin zurück, warf sich mit Vorliebe auf die griechische Sprache, hörte fleißig die Lehrer Johann Metzler, Peter Mosellanus und Richard Crocus, und half diesem letztern im 16. Jahre bereits in dessen Vorlesungen über griechische Sprache aus, mußte aber nochmals wegen Kränklichkeit sich in seine Heimath begeben. Im Jahre 1518 kam Camerarius, wie er sich nun, der Sitte der Zeit gemäß, die ehrlichen deutschen Namen in wälsche und oft kauderwälsche zu verkehren, nannte, nach Erfurt, wo jetzt auch sein Landsmann, Georg von Forchheim, mit Glück und Beifall lehrte. Dort nahm er eine Professur an und schloß den Freundschaftbund mit den hochbegabten Lehrern dieser Hochschule und andern Geistesverwandten, mit Johann Crotus, Eoban Hesse, Johann Lange, Johann Draco, Justus Menius u. a., und setzte nach wenigen Jahren, als er 1521 nach Wittenberg kam, denselben mit Melanchton auf das innigste fort, lernte auch Luther