Seite:Zweihundert deutsche Männer in Bildnissen und Lebensbeschreibungen.pdf/60

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August schloß einen Herzensbund mit der ebenso geistvollen als liebenswürdigen Prinzessin Luise, mit welcher er sich noch in demselben Jahre vermählte. Unterstützt von gediegenen Staatsmännern als Räthen, von geistreichen Gelehrten als Freunden, die angebetete herrliche Mutter, die zartsinnige und feinfühlende Gemahlin zur Seite, wurde es dem jungen Regenten leicht, sein Leben glücklich zu gestalten, und mit unvergänglichem Glanze zu schmücken. Vom Hofe bannte er den steifen Etikettenzwang mit seinen barocken Formen und Trachten, und auf des Landes Gedeihen und Blühen richtete sich mit Liebe und Sorgfalt sein väterlicher Blick. Wie der Herzog in seiner Residenz glänzende Talente und Namen zu vereinigen wußte, so auch gab er der Landesuniversität Jena durch Berufung ausgezeichneter Männer, wie Fichte, Schelling, Paulus, Reinhold, Boß, Feuerbach, Schiller u. a. den Glanz hoher Wissenschaft, und führte die Gründung seiner Ahnen dem erfreulichsten Aufblühen entgegen. Rechtspflege, Waisen- und Armenwesen, Forst-, Land- und Gartenwirthschaft erlitten zeit- und zweckgemäße Neugestaltung. Berg und Salinenbau wurden nach Kräften gefördert, nützliche Institute eingerichtet, die Kirchenbuße abgeschafft, Handel, Manufacturen und Gewerbe erhielten neue Anregungen und Unterstützungen. Stets bemüht seine Kenntnisse zu vermehren, erwarb sich der Herzog von manchen Zweigen der Wissenschaft einen außergewöhnlichen Einblick in deren innerstes Wesen, so in Mineralogie, Botanik, Kunstgärtnerei. Ein hoher schmaler Rain längs des Ilmufers nach Oberweimar zu wurde in den berühmten Park umgewandelt, im nahen Lustschloß Belvedere entstanden die herrlichsten Anlagen. Oeftere Reisen gewannen dem Herzog stets neue Bewunderer und ließen ihn Kenntnisse der Dinge außerhalb seines nicht großen Staates gewinnen. Am Hofe Friedrichs II., seines Großoheims, entflammte sich Carl August’s Sinn mächtig für das Heerwesen, er gedachte wohl des Kriegsruhmes seiner Ahnen, eines Bernhard des Großen, eines Herzog Wilhelm, beide Heldenführer im dreißigjährigen Kriege, nächstdem daß die politischen Verhältnisse Deutschlands mehr und mehr eine Gestalt gewannen, die große Kämpfe vorausahnen ließ, und so galt es, bei Zeiten und thatkräftig Partei zu nehmen. Der Herzog studirte nun mit Vorliebe Kriegswissenschaft, machte den Feldzug in Holland 1787 persönlich mit, erhielt 1790 vom Könige Friedrich Wilhelm II. ein Kürassierregiment, zog 1792 und 1793 als preußischer General gegen Frankreich und brachte später durch sein treues ausharren bei den preußischen Fahnen sowohl sich persönlich, als sein ganzes Land in eine sehr mißliche Lage, denn Napoleon, dem er durchaus keinen freundlichen Schritt entgegen that, grollte ihm heftig, und die Residenz wie das Land erlebten nach der unglücklichen Schlacht bei Jena alle Schrecknisse feindseligen Ueberzugs. Nur die Geistesgröße und sittliche Hoheit der Herzogin, vor der sich der mächtige Sieger völlig beugte und ihr die ungeheucheltste Verehrung zollte, rettete das Land vor noch größerem Schaden und den Herzog vor der förmlichen Entthronung, die schon beschlossen war.

Die Herzogin hatte ihrem Gemahl zwei edle Söhne geschenkt, den Erbprinzen Carl Friedrich, der später als Regent ein Fürst des Friedens voll Gerechtigkeit, Milde und Menschenfreundlichkeit wurde, und den Prinzen Bernhard, der schon unter Napoleon kämpfend, von diesem nach der Schlacht bei Wagram mit dem Orden der Ehrenlegion geschmückt wurde und zu einem Manne voll hoher Einsicht, wahrhaftem Biedersinn und glänzenden Kriegergaben sich ausbildete. Tapfer kämpfte Herzog Bernhard bei Waterloo mit für die deutsche Freiheit, während sein erhabener Vater als russischer General den Feldzug von 1814 mitgemacht hatte. Vom Congresse zu Wien kehrte der Herzog Carl August als Großherzog zurück.

Mit erneutem streben wirkte Carl August, als der Deutschland knechtende wälsche Dämon für immer hinweggebannt war, für das Wohl seines Landes und Volkes, und trug auch dem immer allgemeiner werdenden Ruf nach einer Verfassung bereitwillig, und einer der ersten unter Deutschlands Fürsten, Rechnung, wodurch er sich viele Herzen gewann, vorzüglich aber die der patriotisch begeisterten, politisch schwärmenden deutschen Jugend, durch deren Köpfe eine großartige Idee ging: Carl August sollte deutscher Kaiser werden. Gar manches erfreuliche Zugeständnis wurde der akademischen Jugend Jena’s gemacht, ja die Burschenschaft durfte Taufpathin des Enkels Carl August’s, des jetzigen Großherzogs zu Sachsen-Weimar-Eisenach, Carl Alexander, werden, in dessen edlem Innern des Großvaters Sinn für alles Hohe und Würdige in Kunst und Wissenschaft, für Geschichte und Poesie, wie für des Landes Wohlfahrt verjüngte Blüthen trägt. Der Großherzog erlebte das seltene Glück, sein 5Ojähriges Regierungsjubiläum zu feiern, sein ganzes Land feierte es freudig mit, es geschah im Jahre 1825. Noch zeigte er mehr ein Bild männlicher Vollkräftigkeit, als das eines Greises bei diesem Feste, aber die nächsten Jahre brachen seine Kraft – er machte noch eine genußreiche Reise nach Berlin, und auf der Rückkehr traf ihn im Schlosse Graditz bei Torgau, fern von den Seinen, ein tödtlicher Schlagfluß, der ihn schmerzlos in die Geisterheimath, an die er glaubte, hinüberführte. – Das Land Sachsen-Weimar-Eisenach wird seinen Carl August nie vergessen.