Seite:Zweihundert deutsche Männer in Bildnissen und Lebensbeschreibungen.pdf/67

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Daniel Chodowiecki.jpg


Daniel Nicolaus Chodowiecki.
Geb. d. 16. Oct. 1726, gest. d. 7. Febr. 1801.


Ein hochbegabter vielseitiger Künstler, Zeichner und Maler, Radierer und Kupferstecher, welcher Genie und Fleiß auf das glücklichste paarte, und der bewunderte Liebling seiner für Kunst empfänglichen Zeitgenossen wurde. Die zahlreichen Werke seines Grabstichels wurden und blieben bis auf den heutigen Tag der Stolz und die Freude der Sammler.

Chodowiecki wurde in Danzig geboren und war eines jener Talente, denen vom Schicksal geboten wird, sich mühsam durch eigene Kraft emporzuringen. Sein Vater war Kräuterhändler und bestimmte auch den Sohn für sein Geschäft. Da ersterer zu seinem Vergnügen in Miniatur malte, so unterwies er in dieser Kunst seine Söhne Daniel und Gottfried ebenfalls, und der letztgenannte jüngere Bruder blieb bei derselben, malte auch in Email und war zum öftern später für seinen Bruder helfend thätig.

Daniel sollte nach des Vaters Willen Kaufmann werden, und trat, nach des Vaters frühem Tode, bei einem Gewürzkrämer in die Lehre, hielt aber die Lehrzeit wegen gänzlichen Sinkens des Geschäfts in Danzig nicht aus, sondern vollendete seine Lehrjahre in Berlin bei einem Oheim, zu dem er im Jahr 1743 gesendet ward. Dieser beutete des Lehrlings Talent für Miniatur- und Emaillemalerei aus und ließ ihn fleißig Dosendeckel malen, und so prangt in mancher Sammlung wohl dieses und jenes Rococo-Emailledöschen mit Erstling-Bildern des begabten Chodowiecki, ohne daß die Eigner wissen, welches anziehende Kunstalterthum sie besitzen, wenn auch in künstlerischer Beziehung noch mancher Mangel diesen Gebilden anhaftete. Der junge Künstler bemühte sich mehr und mehr, richtig zeichnen zu lernen und aus dem Tempelvorhof der Kunst in das innere Heiligthum zu gelangen. Chodowiecki erwarb sich Kenntniß vom Radieren, wie von der Oelmalerei, und bewies an seinem »Abschied des Calas von seiner Familie«, daß er in einem wie dem andern dieser Kunstzweige es schon zu einer anerkennenswerthen Vollendung gebracht. In allem was Chodowiecki nun in rascher Folge und mit erstaunlichem Fleiße leistete, trat Originalität, gründliches Natur- und Charakterstudium und eine äußerst gefällige technische Behandlung in