Sponsel Grünes Gewölbe Band 1/Tafel 24

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Tafel 23 Das Grüne Gewölbe: eine Auswahl von Meisterwerken in vier Bänden. Band 1 (1925) von Jean Louis Sponsel
Tafel 24
Tafel 25
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TAFEL 24
DER SCHREIBZEUGKASTEN VON 1562 VON
WENZEL JAMNITZER, 1508–1585
MEISTER IN NÜRNBERG 1534
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Sponsel Grünes Gewölbe Band 1 Tafel 24.jpg

[122] Schmuckkästchen mit oben aufgelagerter allegorischer Gestalt der Philosophie von Wenzel Jamnitzer. Das rechteckige silbervergoldete hohe Kästchen ruht auf vier Kugeln von Bergkristall, die Wände sind über einem mit Akanthusfries gezierten Sockel an den Ecken sowie in der Mitte der Längsseiten durch Pfeiler gegliedert, in deren Nischen Hermen stehen. Über den Pfeilern liegt ein Gebälk mit Triglyphenfries, die Metopen dazwischen sind mit Schilden und Stierschädeln geschmückt. Die Felder zwischen den Pfeilern sind ausgefüllt mit silbernen Platten, die auf Samt lagern und in die eine maureskenartige mit Blättern, Vögeln und in der Mitte Hermen erfüllte Ornamentik eingepreßt und mit vielfarbigem durchscheinenden Email ausgefüllt ist. – Auf dem Kästchen sitzt über Steinstufen eine unbekleidete in Silber gegossene weibliche Gestalt und hält mit der Linken eine vergoldete Tafel auf den rechten Schenkel gestützt. Auf der Tafel ist vorn eine Inschrift mit lateinischen Versen zum Lob der Wissenschaft, darunter die Jahreszahl MDLXII eingraviert, hinten eine Zahlentafel mit der Überschrift tabula Pythagoraea. Zu Füßen der Gestalt eine kleine Vase aus Bergkristall mit einer aus Silber gegossenen Pflanze, ferner eine kleine vergoldete Dose, ein Frosch und ein Käfer. – Das Kästchen ist auf einer Sockelplatte aus Holz befestigt, die einen vergoldeten Silberstreifen als Einlage enthält, darauf ist ein Maeanderfries abwechselnd mit Löwenköpfen und Zierschildern ausgefüllt. – An der einen Schmalseite des Kästchens die Beschaumarke von Nürnberg und die Meistermarke von Wenzel Jamnitzer (Löwenkopf in Schild, darüber ein W), R 3088. Diese schmale Platte ist abhebbar, dahinter stecken in dem Kästchen vier Schubkästen, und in dem unteren befinden sich ein Tinten- und ein Sandfaß. In dem oberen der Einsatz vielleicht für ein Petschaft. Die Schubkästen sind an der Stirnseite mit silbervergoldeten Plättchen belegt, darauf eingepreßte und mit Lackfarben bemalte Ornamente mit Mauresken. Ein Hauptwerk der Sammlung. (31 : 24 : 11 – V. 599.)