Sponsel Grünes Gewölbe Band 2/Tafel 32

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Tafel 31 Das Grüne Gewölbe: eine Auswahl von Meisterwerken in vier Bänden. Band 2 (1928) von Jean Louis Sponsel
Tafel 32
Tafel 33
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TAFEL 32
ZWEI GLOBUSTRÄGER AUF HÜGELN MIT LAUFWERK,
LINKS CHRISTOPHORUS MIT DER HIMMELSKUGEL,
RECHTS HERKULES MIT DER ERDKUGEL.
AUF DEN GEHÄMMERTEN KUGELN HIMMEL UND ERDE
GRAVIERT VON JOHANNES SCHMIDT IN AUGSBURG.
DIE FIGUREN GEGOSSEN. AUGSBURGER ARBEITEN IN
WEISSEM SILBER WOHL VON EINEM MITGLIED
DER FAMILIE LENCKER, VOR 1629 ERWORBEN
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Sponsel Grünes Gewölbe Band 2 Tafel 32.jpg

[214] Links: Der heilige Christophorus mit einem Baumstamm über einen Hügel mit Wasser schreitend, auf dem Nacken die Himmelskugel tragend in weißem Silber getrieben. Diese mit eingravierten lateinischen Namen und eingravierten Sternen, Sternbildern und Laufbahnen. Die Kugel ist in der Mitte geteilt und als Gefäß verwendbar, auf deren oberem Teil sitzt das Christkind aus gegossenem Silber. An dem Hügel sind die Erdteile vergoldet, das Wasser ist unvergoldet, auch sind kleine Frösche, Eidechsen und Blüten aus Silber aufgesetzt. Der Hügel ist aus Silber getrieben, die Figuren gegossen, die Kugel gehämmert und nachgeschliffen. Unter dem Hügel ein Gehwerk. – An den Rändern der Kugel und auf dem Hügel vorn die Beschaumarke von Augsburg und die Meistermarke L, R 356, vermutlich ein Mitglied der Familie Lencker. Die Gravierungen der Himmelskugel sind von Johannes Schmidt in Augsburg gearbeitet. (H. 64 – IV. 290.) (Gegenstück zu dem Herkules, IV. 294.)


Rechts: Herkules mit der Erdkugel auf einem getriebenen Hügel mit aufgesetzten Fröschen und Eidechsen. Die Erdkugel hat eingraviert alle Erdteile, sowie die Längen- und Breitengrade, ebenso lateinische Bezeichnungen. Sie ist in der Mitte geteilt, auf dem Oberteil, dem Deckel, sitzt ein Adler mit dem Blitzbündel. Der Erdhügel, das Löwenfell, das Haupthaar und die Keule des Herkules sowie der Adler sind vergoldet, ebenso auch das Innere der Kugel, alles übrige ist weißes Silber. – Auf der unteren Hälfte der Erdkugel befindet sich unter einem leeren Schild die Signatur des Johannes Schmidt. An den beiden Rändern der Kugelhälften und vorn auf dem Hügel die Beschaumarke von Augsburg und die Meistermarke L, R 356. Die Figur und der Adler ist gegossen, der Hügel getrieben, die Kugel gehämmert und geschliffen. In dem Hügel ein Gehwerk. Gegenstück zu IV. 290. (H. 64 – IV. 294.) – Beide als Willkommbecher gedachte Stücke soll nach dem Inventar der Rat zu Nürnberg im März 1632 dem König Gustav Adolf von Schweden mit anderen Stücken verehrt haben. Beide Stücke sollen dann nach dem Tod des Königs bei Lützen, 6. November 1632, von Wittenberg nach Dresden zur Kunstkammer gekommen sein. Der erste Teil der Nachricht scheint zweifelhaft, denn es befinden sich ähnliche Stücke in den Schatzkammern zu Zürich, in dem Schloß Rosenborg zu Kopenhagen, in dem Nationalmuseum zu Stockholm und eins als Geschenk aus Kopenhagen im Kreml zu Moskau. Die beiden in Stockholm befindlichen Globuspokale R3 3882e u. f. Atlas mit der Himmelskugel und Herkules mit der Erdkugel sind jedenfalls die 1632 urkundlich als Geschenk der Stadt Nürnberg an Gustav Adolf bezeichneten Stücke. Sie sind nach dem Vermerk der Stadt Nürnberg von Christoph Jamnitzer begonnen (gest. 1618) und von Jeremias Ritter in Nürnberg 1620 vollendet. Es wird die Angabe noch zweifelhafter durch die Mitteilung Philipp Hainhofers, der 1629 in der Silberkammer zu Dresden die beiden Globenträger gesehen hat, in der Beschreibung aber Christophorus mit Atlas sowie die beiden von diesem getragenen Globen verwechselt, indem er sagt: Zway Globj, welche als coelestis durch ain vhrwerkh von dem Hercule, terrestris aber vom Atlante aufe inem tisch fortgetragen, vnd an stat trinkgeschirren gebraucht können werden.