Sponsel Grünes Gewölbe Band 3/Tafel 13

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Tafel 12 Das Grüne Gewölbe: eine Auswahl von Meisterwerken in vier Bänden. Band 3 (1929) von Jean Louis Sponsel
Tafel 13
Tafel 14
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TAFEL 13
GOLDENE, MIT JUWELEN UND EMAIL VERZIERTE STANDUHR
MIT ORPHEUS UND DEN TIEREN IN EINER KUGELSCHALE
AUS BERGKRISTALL. DEUTSCH UM 1560.
KUGELGEFÄSS AUS CHALZEDON,
VON ORPHEUS GETRAGEN. DEUTSCH AUS DER MITTE DES
17. JAHRHUNDERTS
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Sponsel Grünes Gewölbe Band 3 Tafel 13.jpg

[192] Links: Bergkristallkugel aus zwei Halbkugeln in emaillierter Goldfassung senkrecht zusammengesetzt, auf hohem mit durchbrochenen emaillierten Goldranken umschlossenen Kristallschaft und goldenem durchbrochenen Sockel. In der Kugel ist aus Gold, auf einer runden nach unten flach gewölbten Schale, auf einem Hügel unter einem Baum sitzend, der spielende Orpheus zu sehen, dem, auf den Hügel reliefartig aufgelegt, aber fast ganz als Freifiguren gebildet, eine Anzahl größerer Tiere: Pferd, Stier, Hirsch, Drache und Einhorn, sowie darüber Löwe, Eidechse, Widder und einige kleinere Tiere zuhören, ebenso auch in dem Baumlaub sitzende Vögel. Alles dies ist in verschiedenfarbigem Email auf Goldgrund ausgeführt, auch sind Brillanten und Farbsteine dazwischen auf dem Hügel in Kasten aufgesetzt. – Auf den durchbrochenen emaillierten Rollwerk- und Pflanzenranken des runden flachgewölbten Sockels, der eine Kristallschale überdeckt, sitzen zwischen zwei Brillant- und zwei Rubintafelsteinen in reicher Kastenfassung nach oben blickende Tiere aus emailliertem Gold: Hirsch, Hund, Affe, das vierte fehlt. Der zwischen Kugel und Sockel errichtete Schaft hat Balusterform in drei Gliedern, die noch durch Reifen in Zonen geteilt sind; diese sind mit emaillierten Ranken ausgefüllt übereinstimmend mit dem Sockel. Auf der Kugel sitzt eine kleinere, wagrecht geteilte Glaskugel, darin ein Uhrwerk, die Zahlen befinden sich auf dem die Kugel umgebenden schwarz emaillierten Ring. Auf der Kugel eine kleine emaillierte Saturnfigur mit einer Lanze als Uhrzeiger. – Unter dem Hügel mit Orpheus ist die Außenseite der Schale mit ausgestochenen und emaillierten Ranken geschmückt, eingefaßt von einer ausgestochenen und schwarz emaillierten Umschrift in Versalien „Orpheus kundt lieblich hofieren den Voeglen und wilden Thieren + das si wurden milt und saenftmietig und sprungen frolig und gietig“. – Eine ganz gleiche Wiederholung dieses Stücks steht im kunsthistorischen Museum in Wien. Stilistisch verwandt mit dieser unserer Orpheusuhr ist der in Gold gefaßte Bergkristallpokal auf Tafel 14 rechts, ebenso die ersten drei Anhänger auf Tafel 1. Daraus folgt, daß auch die Orpheusuhr von einem für das sächsische Kurfürstenpaar August und Anna tätigen deutschen Meister hergestellt ist. Als diesen erkenne ich den von Nürnberg nach Dresden berufenen Heinrich Hoffmann, der in Dresden als Hofgoldschmied in Kleinodien und Gold von 1555 bis 1563 gearbeitet hat. (H. 21,5 – VI. 19.)


Rechts: Gefäß aus Chalzedon in Kugelform, aus zwei Halbkugeln in goldener emaillierter und mit Rubinen besetzter Fassung zusammengesetzt, getragen von einem Orpheus aus emailliertem Gold, der auf einem runden gewölbten und als Waldboden emaillierten Sockel steht, auf den ringsum emaillierte Schlangen und Eidechsen, sowie nach der Mitte zu Löwen, Hunde, Affen und andere Tiere in emailliertem Gold aufgesetzt sind. Ferner sind dem Sockel noch sechs ovale geschnittene Kameen mit weiß auf schwarzem Grund sich abhebenden Tieren zwischen Tafelsteinen aufgesetzt. Auf dem Haupt trägt Orpheus eine aus emaillierten Ranken gebildete Schale, die die Kugel trägt. Auf der oberen Halbkugel ist in einem Goldreifen eine kleine Chalzedonkugel aufgesetzt, darauf steht eine weiß emaillierte Fortuna mit einem windgeblähten Segel in den Händen. Deutsch. Nach der Mitte des 17. Jhdts. (H. 21,5 – VI. 22.)