Sponsel Grünes Gewölbe Band 4/Tafel 48

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Tafel 47 Das Grüne Gewölbe: eine Auswahl von Meisterwerken in vier Bänden. Band 4 (1932) von Jean Louis Sponsel
Tafel 48
Tafel 49
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TAFEL 48
BERNSTEINSCHÜSSEL
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Sponsel Grünes Gewölbe Band 4 Tafel 48.jpg

[136] Die Dekoration des großen, runden Stückes teilt die Tiefe wie den Rand in acht Felder: um den halbkugelig erhobenen Nabel eine schwere, silbervergoldete Fassung mit vier runden und vier ovalen Platten, von den ersteren sind zwei ornamental geschnitten, die letzteren zeigen eine gravierte Folie mit Jagdszenen. Von den 24 tropfenförmigen Platten der Voute sind neun teils mit Reliefs, in Wachsmasse, unterlegt, teils mit farbiger Silberfolie. Von den länglichen Platten auf dem Rand zeigen vier Unterlagen in Relief, mit Darstellungen prächtig Berittener, z. T. von Drachen begleitet: die Gründer der vier Weltmonarchien, Ninus, Cyrus, Alexander, Cäsar; die anderen Szenen ländlichen Lebens. Die runden Platten: geschnitzte Vögel mit Früchten, das eine der durchsichtigen Medaillons zeigt, in der Folie, das Wappen von Brandenburg. – Auf dem silbervergoldeten Rand eine Lorbeerkante. Auf dem Boden zweimal die Marke AM: Andreas Michel aus Torgau, Nürnberg (R. 4165).

Zu der Schüssel gehört stilistisch die Kanne III. 77, die nach der Ähnlichkeit mit dem bezeichneten Nautilus T. 50 b von Jacob Heise um 1659 hergestellt worden ist. Danach hat Heise auch die Schüssel selbst angefertigt.

Pelka, Bernstein S. 102, 119; A. Rohde, Das Kunstgewerbe in Ost- und Westpreußen (Deutsche Staatenbildung u. deutsche Kultur im Preußenlande, S. 628).

III. 76. Inventar des Pretiosenzimmers nach 1732, Fol. 98: Ein rund Gießbecken, in vergüldet Silber gefasset, mit einer dazu gehörigen Kanne, beydes aus Bernstein, mit vielen von dergl. Materia eingelegten Bilderen. Eingegeben den 6 July 1687. Aus der Chf. Fr. Witben Verlaßensch.

Das Stück könnte aus dem Besitze der Kurfürstin Magdalene Sibylle, geb. Markgräfin von Brandenburg, Gemahlin Johann Georgs I. (gest. 1659), stammen.