Sponsel Grünes Gewölbe Band 4/Tafel 6

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Tafel 5 Das Grüne Gewölbe: eine Auswahl von Meisterwerken in vier Bänden. Band 4 (1932) von Jean Louis Sponsel
Tafel 6
Tafel 7
  Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
[52]
TAFEL 6
ELFENBEINPOKALE
[Ξ]
Sponsel Grünes Gewölbe Band 4 Tafel 06.jpg

[52] a) Über dem von vier grotesken Büsten getragenen, achteckigen Fuß als Schaft ein mit vielerlei Früchten beladener Baum, den ein ithyphallischer Satir einfaßt. In der lebhaft ausgebogenen Cuppa am Boden eine grinsende Maske. Auf dem Deckel tragen vier Delphine eine fünfeckige Balustrade, auf deren Oberkante die Inschrift: ceu drako devictus manibus gladioque Georgi; sic satanam fudit victor iesus humi. Darüber, von einem durchbrochenen Schaft getragen, eine Gruppe: St. Georg als römischer Ritter zu Pferde bekämpft mit dem Schwert den heftig aufbäumenden Drachen.

Am Boden des Fußes erhaben geschnitten die Inschrift: Iacobus Zeller fecit et inv. 1613

Inventar der Kunstkammer 1619, Fol. 216: 1 Gedröheter Becher uff den Deckell der Ritter St. Georg unterm Becher ein Sator welcher früchte bringet inwendig in deckel kann man eine helffenbeinene Schraube abschrauben, auf welcher ein becherlein von einem Pfefferkorn auf einem helffenbeinern füßlein mit einer Wendeltreppe gedrehet, aufn Socke deß Pfefferkorns gleichsfalß mit dergleichen Wendeltreppe und oben einem kleinen Mänlein, inwendig in Pfefferkorn liegen etliche 100 helffenbeinerne becherlein von helffenbein gedrehet.

Die Schraube und der Inhalt des Deckels fehlen heute. – Julius A. Jean Cavalier, S. 71, Abb. 21: Pokal ähnlicher Art, gleichfalls mit dem St. Georg auf dem Deckel, bezeichnet Jacob Zeller 1610.

Der Pokal zeigt die seltsame Mischung von naturalistischer Beobachtung, technischem Können und mangelnder Komposition, die Zellers Schaffen kennzeichnet.


b) Auf ovalem Fuß, Wasser von Fischen, Delphinen, Seehunden durchzogen, steht Neptun, den rechten Fuß auf einem großen Fisch, den (fehlenden) Dreizack in der Rechten. Die Cuppa zeigt ein Relief: Meergötter, Hippokampen, Jünglinge, Frauen und Kinder, durch das Meer getragen. – In der Cuppa eine Platte mit dem Relief zweier verschlungener Fische. Der Deckel fehlt.

Die gleiche Darstellung auf der Cuppa des Pokals im Nationalmuseum zu München (Berliner a. a. O. 228, Text S. 65, Tafel 143). Ähnlich Nr. 227, ebenda; auch Christian Scherer, Die Braunschweiger Elfenbeinsammlung, Nr. 387, S. 125, Tafel 64. – Deutsch, Ende 17. Jahrhundert.

II. 330.


c) Am runden Fuß kämpfende Tiere, Löwen, Bären, Eber, Stier, Pferde; der Schaft eine Balusterdocke mit grotesken Masken und Muscheln. Die Cuppa, unten von Fruchtkränzen und Widderköpfen umzogen, zeigt ein vielfiguriges Hochrelief: David mit Goliaths Haupt, Krieger zu Fuß und zu Pferd, tanzende, musizierende Frauen. Auf dem Deckel sitzende Kinder, musizierend, als Spitze eine Fama, zwei Kränze im Bausch des Gewandes.

Außerordentlich schweres, dickwandiges Stück. Deutsch, Ende 17. Jahrhundert.

II. 25.