Spruner-Menke Handatlas 1880 Karte 43

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Autor: Theodor Menke, Karl Spruner von Merz u. A.
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Titel: Deutschland im Zeitraum der Reformation 1492–1618
Untertitel:
aus: Hand-Atlas für die Geschichte des Mittelalters und der neueren Zeit
Herausgeber:
Auflage: 3. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1880
Verlag: Justus Perthes
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Erscheinungsort: Gotha
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Spruner-Menke Handatlas 1880 Karte 43.jpg

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Deutschland. No. XIII. Deutschland im Zeitraum der Reformation, 1492–1618. Mst. 1 : 3 700 000. – Nebenkarten: 1) Das Deutsche Reich nach der Eintheilung in zehn Kreise 1512. 2) Die Wettinischen Lande nach der Schlacht bei Mühlberg, 24. April 1547. Mst. 1 : 3 700 000. 3) Belagerung von Antwerpen 1584 und 1585. Mst. 1 : 370 000. 4) Gebiet der Reichsstadt Nürnberg um 1500. Mst. 1 : 1 000 000. Von B. Hassenstein.

Dieses Blatt stellt den politischen Zustand des Römisch-Deutschen Kaiserreichs beim Regierungsantritt Maximilian’s I. dar und soll in seiner Nomenklatur den Übergang zur Neuen Zeit vermitteln helfen. Es liegt nicht im Plan des Atlasses, an diesem Ort auf die Regierungs-, Kriegs- oder Kirchengeschichte dieses Zeitraums näher einzugehen; mit Übergehung eines umfangreichen Details, welches bei der Zeichnung als rein kartographische Vorarbeit zur Verwerthung gekommen ist, soll hier derjenigen Hauptmomente aus der Territorialgeschichte des vorhergegangenen Jahrhunderts kurz gedacht werden, welche zur Veranschaulichung des bunten Kartenbildes wichtig sind.

An der Westgrenze Deutschlands erscheinen zunächst die Gebiete, welche von dem grossen Ländercomplex der Burgundischen Herzoge[1] – dessen gesammte Ausdehnung in einem später erscheinenden Blatte (Deutschland XI, 1273–1492) dargestellt wird –, durch die Vermählung Maximilian’s I. mit der Erbtochter Karl’s des Kühnen 1477 an das Habsburgische Haus gekommen waren, nämlich die Niederlande und die Freigrafschaft Burgund.

Das Herzogthum Lothringen war in seinem Innern durch Erwerbungen vom Metzer Hochstift vergrössert, musste jedoch für das ihm zuständige Herzogthum Bar die französische Lehensherrlichkeit anerkennen.

Am Rhein waren die Gebiete von Jülich, Berg und Ravensberg seit 1434, und jene von Cleve und Mark bereits seit 1392 vereinigt; bis 1510 und 1521 die beiden Landmassen zusammenschmolzen.

Das Pfälzische Land hatte durch den berühmten Kurfürsten Pfalzgraf Friedrich I., dem Siegreichen (1449–1476), seine bedeutendste Ausdehnung gewonnen (so: Lützelstein 1452, Handschuhsheim, Dossenheim &c. 1460, die Mainzer Bergstrasse, Theile von Sponheim &c. 1463 u. A.), es reichte gewaltig zerstückelt bis tief in Schwaben und Lothringen und an den Oberrhein herauf, während es schon früher im Hausvertrag von Pavia, 1329, einen Theil des Nordgaues in Baiern (mit Amberg, Hilpoltstein, Lauf, Hersbruck u. s. w.) die nunmehr sogenannte Obere Pfalz erhalten hatte.

Im Norden Deutschlands strebte Oldenburg durch Bekämpfung der Stedinger und Butjadinger sich bis zum Meer auszudehnen, welche Kämpfe dann bis 1517 mit völliger Eroberung dieser Landschaften endeten. – Die einzelnen Länder der obotritischen Fürsten waren in dem Staate von Mecklenburg mit dem Herzogthum Stargard, (1301 von Brandenburg erheirathet), vereinigt; Pommern war seit 1295 dauernd in die beiden herzoglichen Linien Stettin und Wolgast getheilt, welche letztere noch fortbestand, als 1464 die erstere ausgestorben und ihr Besitz an Wolgast überging, obgleich Brandenburg in Folge einer Erbverbindung Ansprüche auf Pommern-Stettin erhob.

Die Mark Brandenburg, nachdem sie 1415 an den Burggrafen von Nürnberg, Friedrich VI., vom Kaiser Sigismund verkauft worden war, erlangte ihre früheren Verluste an Magdeburg, Mecklenburg und die Lausitz wieder und erwarb die Herrschaften Kottbus und Peiz 1445, die Herrschaft Teupitz 1462, das Fürstenthum Krossen 1482, die Herrschaft Zossen 1490, und endlich, während der in unserer Karte dargestellten Periode, die Grafschaft Ruppin 1524 und die Herrschaften Beeskow und Storkow 1575.

Ebendasselbe Haus besass auch mitten in Franken ein bedeutendes Gebiet, welches in das Land auf dem Gebirge oder das Oberland (Fürstenthum Bayreuth und Culmbach) und das Niederland oder Burggrafthum Nürnberg (Fürstenthum Onolzbach oder Ansbach) zerfallend, bald mit dem nunmehrigen Hauptlande Brandenburg vereinigt, bald an jüngere Linien vergabt war.

Im Welfischen Hause waren durch mehrfache sehr verwickelte Theilungen die fünf Gebiete von Lüneburg, Braunschweig, Kalenberg, Göttingen und Grubenhagen entstanden, die sich aber im Verlauf des 16. Jahrhunderts bald theilten, bald wieder zusammenfielen.

In Westfalen waren durch Besiegung des übermüthigen Grafen Nicolaus von Tecklenburg 1394 (Kloppenburg erworben), des Burggrafen von Stromberg 1403 und Anderer die geistlichen Stifter, besonders Münster, übermächtig geworden und beinahe die alleinigen Territorialherren.

Im Herzen Deutschlands hatte sich das Wettinische Haus bedeutend ausgebreitet, Thüringen und Meissen waren ihm fast vollständig unterworfen, Sagan 1473, Sorau, Beeskow, Storkow 1477 erworben, und nach mannichfachen Theilungen wurde die Ländermasse im Jahre 1485 endgültig zwischen den Söhnen Friedrich’s des Sanftmüthigen, Ernst und Albert, so vertheilt, dass jener das Herzogthum Sachsen nebst der Kurwürde, das südliche Thüringen und das nördliche Meissen, dieser das südliche Meissen und das nördliche Thüringen erhielt. Wie dann nach der verhängnissvollen Schlacht bei Mühlberg am 24. April 1547 die Ältere Linie um den Besitz der Kurwürde und den grössten Theil ihrer Lande kam, veranschaulicht der Karton.

Westlich an das sächsische Gebiet stiess das des Landgrafen von Hessen, bereits eines der bedeutendsten Reichsfürsten, noch ungetheilt und durch Erwerbung der Grafschaft Katzenellenbogen, 1479, auch am Rheine angesessen.

Nassau hatte zu seinem alten Besitz erlangt: Reichelsheim 1416, Lahr und Mahlberg 1426 u. A., Saarwerden erst in der Mitte des 16. Jahrhunderts.

Im Osten des Reiches war seit 1355 Schlesien ganz und gar in den Verband der Böhmischen Staaten und somit des Deutschen Reiches aufgenommen, wenn es auch nur in mittelbarer Verbindung mit dem letztern verblieb. Die böhmischen Könige, in dem Bestreben die einzelnen schlesischen Fürstenthümer an sich zu bringen, waren darin durch das allmälige Verlöschen der piastischen Herzogsfamilien gefördert, nur Brieg und Liegnitz, seit 1468 vereinigt, verblieben im Besitz des angestammten Hauses, wenngleich immer noch unter böhmischer Lehnshoheit.

Von den böhmischen Grenzen längs denen von Ungarn und Italien bis an und über den Rhein umfassten die Habsburgischen Lande den ganzen Süden Deutschlands. [31] Das im Jahr 1286 abgelösste Kärnthen war 1336 wieder mit ihm vereinigt, die Grafschaft Tyrol 1363 erworben worden, jedoch mit Ausschluss von Brixen und Trient. Dazu waren noch gekommen: Die noch übrigen Theile von Krain und der windischen Mark 1374, die Stadt Triest 1382 und allmälig die Vorarlbergischen Herrschaften: Feldkirch 1365, Bludenz 1376, Bregenz 1451 und 1523. Die Österreichischen Besitzungen in Schwaben, Vorder-Österreich genannt, und aus dem Breisgau (1367), Grafschaft Hohenburg (1380) und vielen kleinen Gebieten bestehend, haben sich in ihrer Zerrissenheit wenig verändert, dagegen waren im Verlauf des 15. Jahrhunderts die letzten Habsburgischen Stammgüter in der Schweiz verloren gegangen und im Frieden zu Basel 1499 löste sich dieselbe auf immer von Österreich los, um nach mannichfachen Bündnissen und Kämpfen die „Eidgenossenschaft der 13 Orte“, 16. Dezember 1513, zu bilden.

In Schwaben, gänzlich zersplittert in eine Menge von geistlichen und weltlichen Gebieten, hatten sich vor Andern unter den einheimischen Geschlechtern die von Würtemberg und Baden ausgebreitet, aber auch durch häufige Theilungen ihrem wachsenden Flor geschadet. – Neben den mächtigen Bischöfen von Würzburg und Bamberg hatten Mainz, Fulda und Eichstädt beträchtliches Landgebiet in Franken, während hier von weltlichen Herren ausser dem bereits erwähnten Brandenburg die Grafen von Hohenlohe, Henneberg und Rieneck als die begütertsten erscheinen. – Bayern ist bei Beginn der dargestellten Periode, nach der Vereinigung der Linie Ingolstadt mit Landshut (1447) und der Vertheilung von Bayern-Straubing, in die beiden Linien Landshut – bis 1503 – und München – bis 1506 – getheilt.

Hülfsmittel. Für die Hauptkarte:

A. F. Büsching: Erdbeschreibung, 7. Aufl., 1789–1792. Bd. V–X.
Dr. Heinrich Berghaus: Deutschland seit hundert Jahren; Geschichte der Gebiets-Eintheilung und der politischen Verfassung des Vaterlandes. Bd. I. 1859.
F. W. Ghillany: Europäische Chronik von 1492 bis 1865. Bd. I. 1865.
A. v. Daniels: Handbuch der deutschen Reichs- und Staatenrechtsgeschichte. 1863.
G. V. Schmidt: Die mediatisirten freien Reichsstädte Teutschlands. 1861.
W. Fix: Die Territorialgeschichte des Preuss. Staates. 1869.
K. Hopf: Historisch-Genealogischer Atlas. Abth. I. 1858.
G. W. Hopf: Bayerische Geschichte in Zeittafeln. 1865.
L. Häusser: Geschichte der Bayrischen Pfalz. 1845.
L. Häusser: Geschichte des Zeitalters der Reformation. 1868.
Vögelin und Meyer von Knonau: Historisch-Geographischer Atlas der Schweiz. 1855.
G. Mees: Historische Atlas van Noord-Nederland. 1865.
C. W. Böttiger: Geschichte des Kurstaats und Königreichs Sachsen, 2. Aufl. bearbeitet von Flathe.

Nebenkarten:

Die Chroniken der deutschen Städte vom 14. bis ins 16. Jahrhundert. Herausgegeben durch die Histor. Commission bei der Königl. Akademie der Wissenschaften. - Fränkische Städte: Band II: Nürnberg.
Friedrich v. Schiller: Merkwürdige Belagerung von Antwerpen in den Jahren 1584 und 1585. In: Gödecke’s Histor.-Kritischer Ausgabe von Schiller’s sämmtlichen Werken. 9. Theil.

Ausser diesen Werken sind noch eine grosse Anzahl von Karten und Monographien einzelner Gebiete von Deutschland zur Berücksichtigung gekommen.


  1. In der Farbentafel der Karte steht irrthümlicherweise: Spanische Linie statt Burgundische Lande. In der Hauptkarte unter 49° Nördl. Br., 25° Östl. L.: Pfalzburg statt Lützelstein (Zweibrückisch), Lützelburg statt Pfalzburg.