Strafpredigt gegen curirende Laien, Naturärzte und Homöopathen

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Autor: Bock
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Titel: Strafpredigt gegen curirende Laien, Naturärzte und Homöopathen
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aus: Die Gartenlaube, Heft 34, S. 536–538
Herausgeber: Ernst Keil
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Erscheinungsdatum: 1867
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung: Gegen Kurpfuscherei
Gedanken über das Curiren von Krankheiten. Nr. 3.
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[536]
Gedanken über das Curiren von Krankheiten.
3. Strafpredigt gegen curirende Laien, Naturärzte und Homöopathen.


Darum weil mit Hülfe der Naturheilungsprocesse die Mehrzahl der Krankheiten ohne alles ärztliche Eingreifen und sogar auch bei den blödsinnigsten Curen und Hokuspokussen doch heilen, darum hat noch lange nicht jede alte Frau, jeder Lampe und Lutze, jeder Dütchenskrämer und Kaltwassernarr, jeder Dampf- und römisch-irische Badewüthige das Recht und die Fähigkeit kranken Menschen ärztliche Hülfe zu leisten, zumal wenn diese, wie dies in der Regel der Fall ist, in Anpreisung und schablonenartiger Anwendung einer ganz einseitigen, oft recht einfältigen Behandlungsweise besteht. Denn Folgendes mögen sich alle curirsüchtigen Laien wohl merken:

1. Sehr oft veranlaßt ein und dieselbe Krankheit bei verschiedenen Personen ganz verschiedenartige Erscheinungen, besonders in Gestalt von Störungen der Empfindung (sogenannte subjective Symptome) und der Thätigkeit der Organe (sogenannte functionelle Symptome), und deshalb kann in sehr vielen Fällen nur ein [537] in der sogenannten physikalischen Diagnostik geübter Arzt über die Natur des Leidens klar werden. So treten z. B. bei ein und demselben Lungenleiden bei dem einen Kranken am deutlichsten die Athmungsbeschwerden zu Tage, während bei einem andern, an derselben Lungenentartung Leidenden am auffälligsten die Störungen in der Herzthätigkeit und bei noch einem andern die der Magenverdauung etc. sind. Daher rührt ja die kindische Ansicht der Laien von einem Magenhusten und daher kommt es, daß manche Lungenkranke weit weniger über ihre Brust als über ihren Magen klagen.

2. Gar nicht selten bieten ganz verschiedene Krankheiten ganz dieselben Erscheinungen dar und nur die genaue Kenntniß des gesunden und kranken menschlichen Körpers läßt hierbei einen Irrthum, der zu einer sehr zweckwidrigen, ja gefährlichen Cur verleiten kann, vermeiden. Wenn z. B. bei Schwindel, Kopfschmerz, Ohrensausen, Flimmern vor den Augen, Ohnmacht und dergl. gegen Congestionen nach dem Kopfe (Blutüberfüllung im Gehirn) loscurirt würde, so könnte dies dem Kranken gar nicht selten sehr schlecht bekommen, da häufig alle jene Erscheinungen vom gerade entgegengesetztem Zustande des Gehirns, also von Blutarmuth herrühren[1].

3. Die Ursachen vieler beschwerlicher und selbst lebensgefährlicher Leiden sind häufig derartige, daß sie nur durch eine ganz genaue physikalische Untersuchung aufzufinden und, wenn aufgefunden, nicht selten durch eine passende örtliche Behandlung zu heben sind. Um aber eine solche, oft eine große manuelle Fertigkeit und Sinnesübung verlangende Untersuchung ordentlich anstellen zu können, dazu bedarf es, neben der gehörigen Kenntniß von den Einrichtungen im menschlichen Körper, eines jahrelangen Studiums am Krankenbette und Leichentische. Es ist nichts gefährlicher, als wenn z. B. bei Frauenkrankheiten, bei Leiden im Harn- und Geschlechtsapparate, bei sogenannten Hamorrhoidalübeln, bei leicht zu übersehenden Bruchschäden etc., Laiencurirerei und homöopathisches Nichts in Anwendung kommt.

4. Eine nicht kleine Zahl von Menschen haben, ohne daß sie es wissen, Entartungen in diesem oder jenem Organe, welche vom wissenschaftlich gebildeten Arzte bei genauer Untersuchung entdeckt und durch Angabe der passenden Lebensweise in Schranken gehalten werden können, während dieselben bei unzweckmäßiger Behandlung gar nicht selten zu einem sehr schlimmen Ende führen. So z. B. Gnade Gott Einem mit entarteten Blutgefäßwänden, wenn er in die Hände eines Kaltwasserfanatikers fällt; ein Schlagfluß ist ihm dann gewiß. Auch Die mit Tuberkeln in den Lungenspitzen – welche Entartung, wenn sie noch gering ist und den Kranken in seinem äußern Aussehen noch nicht auffällig heruntergebracht hat, sehr häufig auch von Aerzten übersehen und nicht diagnosticirt wird,[2] – sind gar nicht selten einem frühzeitigen Tode durch Lungenschwindsucht ausgesetzt, wenn sie von einem Unwissenden an sich herumdoctoren lassen. Die Purgirquacksalber und Kaltwasserärzte sind solchen Kranken am gefährlichsten.

5. Das Mikroskop und chemische Untersuchungen sind in manchen Fällen von Kranksein (z. B. bei Blut- und Harnveränderungen, Nierenleiden, Hautkrankheiten, Magen- und Darmaffectionen) ganz unentbehrliche Hülfsmittel zum Erkennen des Sitzes und des Wesens der Krankheit. Den Gebrauch dieser diagnostischen Hülfsmittel erlernt man nun aber nicht in der Schusterwerkstatt, in einer Postexpedition oder hinter dem Ladentische am sauren Gurken- und Heringsfasse. – Schon das Nichtauffinden von pflanzlichen und thierischen Schmarotzern (Parasiten), die, wenn auch nicht lebensgefährliche, so doch entsetzlich unangenehme Beschwerden veranlassen können, müßte eigentlich die Laienheilwirthschaft bei verständigen Menschen verächtlich machen. Nehmen wir z. B. die Krätzmilbe, den Kahl- und Erbgrindpilz, die Trichine etc. – das Vorhandensein aller dieser Schmarotzer muß durch das Mikroskop erst festgestellt werden, bevor man für ihre Vertilgung Etwas thun kann. – So kann die Krätze, welche von selbst nie heilt und zu ihrer Heilung durchaus der Tödtung der Krätzmilben durch örtlich wirkende Mittel bedarf, wenn sie nicht erkannt und richtig behandelt wird, nicht nur in einer Familie alle Mitglieder durch einen entsetzlich juckenden Ausschlag jahrelang peinigen, sondern sie kann auch bei längerer Dauer, in Folge der chronischen Störung der Hautthätigkeit, sowie in Folge der durch das Jucken und Kratzen unterhaltenen Nervenreizung und Schlaflosigkeit, eine solche Verschlechterung der Haut und des ganzen Ernährungszustandes erzeugen, daß förmliches Siechthum entsteht. Der curirende Laie und echte Homöopath sind demnach bei diesem Leiden ganz verwerfliche Heilkünstler.

Die Homöopathen, von denen doch auch einige die Tödtung der Milben und deren Brut durch äußere Mittel in allopathischer Form (Schmiercuren) für nothwendig erklären, behaupten, daß der innere Gebrauch des Schwefels (in der zweiten und selbst ersten Verreibung) die Krätze gründlich heilt und auch die übrigen Glieder einer Familie vor Ansteckung schützt. Herr Goullon (der allopathische Examinator im medicinischen Staatsexamen in Weimar) geht sogar so weit, daß er die örtliche Behandlung der Krätze eine unselige Heilart nennt, deren üble Folgen nicht ausbleiben werden und sich zum Theil jetzt schon an dem immer kränklicher und schwächer werdenden Geschlechte zeigen. Hr. Hirschel (in Dresden) sagt dagegen: die Krätze bedarf blos der äußern Behandlung mit milbentödtenden Mitteln; da man aber nicht stets bestimmen kann, ob die Milbe die Ursache, nicht vielleicht erst das Product der Krankheit ist, so kann man Schwefel auch innerlich geben. (Von welchen Krankheiten sind denn da die Läuse und Flöhe die Producte? Verf.) Hr. Cl. Müller (in Leipzig), nach welchem die schnelle Heilung der Krätze durch Einreibungen niemals bedenkliche Folgen bringt, will nach Tödtung der Milben ebenfalls noch den Schwefel innerlich angewendet wissen. Hr. Hering weiß dagegen, daß jede vertriebene Krätze eine andere Krankheit macht. Ein Hr. Dr. Attomyr curirt die Krätze mit dem Psoricum oder Krätzstoffe.[3]

6. Es giebt gewisse krankhafte Zustände und Beschwerden, wo man, und wenn man die Arzneistoffe auch noch so sehr haßt, doch zu deren Gebrauche gezwungen ist, natürlich nach vorhergegangener, durch genaue Untersuchung des Kranken erlangter Erkennung der Krankheit. Wie so segensreich z. B. kann ein allopathischer Arzt bei Schmerzkrankheiten mit Hülfe des Opium (Morphium innerlich oder unter die Haut gespritzt) wirken, während der echte Homöopath mit seinem Nichts auch nichts bewirken und der unverständige quacksalbernde Laie möglicherweise sogar sehr schaden kann. Wie hülflos die Homöopathen in Fällen dastehen, wo es gilt, lindernde Arzneien zur Hebung von Beschwerden anzuwenden, das zeigt sich auch recht deutlich beim Wechselfieber, wo die homöopathische Gabe des Chinin und anderer Arzneien auch gar nichts hilft. Und daher kommt es denn, daß manche Homöopathen in ihrer Privatpraxis bei wohlhabenden Leuten das Chinin zur schnellen Unterdrückung der Fieberanfälle in tüchtiger allopathischer Dose anwenden, während die Armen in den Kliniken und Polikliniken des Principes wegen der rein homöopathischen Behandlung unterworfen, für längere Zeit im Fieber erhalten und ihrer Arbeit entzogen werden. Und was ist dann das Finale? Die armen Leute gehen noch fiebernd, mit enorm angeschwollener Milz und wassersüchtigen Beinen zu einem Allopathen, werden aber im klinischen Journal als geheilt verzeichnet. Nun Leser! wie urtheilst Du denn über ein solches Gebahren von Heilkünstlern, durch welches der Arme des Principes wegen an seiner ihm so nöthigen Gesundheit geschädigt, auf den Reichen dagegen das Princip nicht angewendet wird? Pfui über solche gewissenlose Bastard-Homöopathen (wie sie von Hahnemann genannt werden)! –

7. Was die vernünftige diätetische Behandlung der Krankheiten betrifft, so verlangt diese erst recht nicht nur eine genaue Kenntniß der physiologischen und chemischen Vorgänge im gesunden menschlichen Körper, sondern auch ein richtiges Verständniß der verschiedenen heilsamen und gefährlichen Reactionsprocesse im kranken Körper. Denn es ist hierbei nöthig, die Bedingungen, unter denen die Naturheilungsprocesse die Krankheiten zur Gesundheit zurückführen, aufsuchen, herbeiführen und durch passende naturgemäße diätetische Hülfsmittel, und zwar je nach der Natur der Krankheit und [538] des Kranken in verschiedener Weise, fördern zu können. Zu den naturgemäßen diätetischen Heilhülfsmitteln gehören nun aber vorzugsweise: Luft, Licht, Nahrung, Wärme, Kälte, Wasser, Ruhe, Bewegung etc., nicht aber die für die meisten Kranken ganz naturwidrigen und deshalb oft schädlichen Kaltwasserstrapazen, die Schroth’sche trockene Semmeltortur, die Dampf- und römisch-irischen Bäder. Denn der Hauptgrundsatz bei diätetischer Behandlung eines Kranken muß stets der sein, daß der kranke Körper nicht durch ungewohnte Einwirkungen widernatürlich erregt und dadurch in seinem Gesunden gestört, sondern in ihm auf die mildeste Weise der Naturheilungsproceß unterstützt werde. – Am unvernünftigsten ist es nun aber, alle Krankheiten der Menschheit durch ein und dasselbe sogenannte diätetische Heilverfahren (manchmal mit unbedeutenden Modificationen) curiren zu wollen, wie das vorzugsweise die Kaltwasser-, Schroth’schen- und Natur-Pseudoärzte thun, denen sich natürlich noch viele andere Quacksalber, besonders mit Bädern, welchen dieses oder jenes unnütze Zeug (Lohe, Fichtennadeln etc.) zugesetzt ist, anschließen. – Daß von den wissenschaftlich gebildeten allopathischen Aerzten die allermeisten sich bei Behandlung von Krankheiten weit mehr auf arzneiliches, als auf diätetisches Verfahren verlassen, ist sehr traurig und hat Gründe, die ich vorläufig verschweigen will. Aber Zeit wird es allerdings, daß sich die Heilkunst allmählich der Heilkunde (medicinischen Wissenschaft) mehr accommodirt und endlich von einem Arzneimißbrauche abläßt, der größtentheils doch nur dem Aberglauben dummer Patienten huldigt und sogar schon den Gevatter Schneider und Handschuhmacher dahin gebracht hat, sich und seines Gleichen beim Braunbiere und bei wässerigem Gewäsch über Heilkunst zu „Naturärzten“ zu promoviren.

Schließlich wollen wir uns auch die curirenden Laien und Homöopathen einmal ansehen und ihre kindische Renommisterei und arrogante Frechheit beleuchten. Denn eine Frechheit und Unverschämtheit sonder Gleichen ist es, wenn so ein sogenannter Naturarzt, der vom gesunden und vom kranken menschlichen Körper nicht Kix und nicht Kax versteht, und ebenso wenn ein Homöopath, dessen medicinisches Wissen = 0 (gleich Nichts) ist, Männern der Wissenschaft, die viele Jahre Tausende von Kranken und Leichen untersuchten, mit der Redensart entgegentritt: Ihr versteht von unserer Heilweise nichts und wollt sie auch nicht kennen lernen, darum bekommt Ihr auch niemals eine richtige Ansicht von der Sache. Nun wahrlich, man müßte ein wissenschaftlicher Cretin sein, wenn man Heilkünsteleien nicht verstehen und sofort durchschauen wollte, die jeder dümmste Pinsel und jeder unwissendste aller Ignoranten in kürzester Zeit ohne alle Vorstudien erlernen kann. – Was die Homöopathen betrifft, so haben wir schon zu wiederholten Malen geschrieben, daß sich unter ihnen auch nicht ein einziger Mann befindet, der in der Wissenschaft genannt würde, wohl aber eine Menge von halbschürigen und verdorbenen Medicinern, sowie allerlei Abkömmlinge von Homöopathen und Laien männlichen und weiblichen Geschlechts und jedweden Standes. Und diese Gesellschaft wagt es, dem Ausspruche des Herrn Dr. Clotar Müller in Leipzig (der es übrigens auch nicht verschmäht allopathische Arzneien in großer Gabe zu verordnen) zuzujauchzen, daß unsere jetzige wissenschaftliche Medicin, das Product langjähriger eifriger Forschungen großer Gelehrter, „die personificirte Impotenz in der höchsten Potenz, eine Frucht überstürzter Verblendung“ sei, „die nicht mit der jugendkräftigen Homöopathie um die Palme des Sieges ringen kann“! – Was die wunderbaren Heilungen durch Homöopathen betrifft und die großen Erfolge der homöophathischen Heilkünstelei bei lebensgefährlichen Krankheiten, so weiß man, wie es damit steht und daß, wenn wirklich eine solche Heilung zu Stande kam, dieselbe niemals den angewandten homöopathischen Mitteln, sondern, stets den Naturheilungsprocessen zu verdanken war. Manche Homöopathen erdichten auch wunderbare Heilungen, wie z. B. Hr. Lutze in Cöthen, der die homöopathischen Arzneien mit Lebensmagnetismus versetzt. Von ihm heißt es in zwei Berichten der königl. Polizeidirection in Potsdam (vom 18. August 1846 und vom 8. Juli 1850), daß, „wo derselbe in einzelnen Fällen sich der Heilung bedeutender Uebel öffentlich gerühmt habe und in seinen Schriften noch rühme, das Gegentheil davon bekannt worden sei“.

Wenn viele Homöopathen sich rühmen, von solchen Kranken, die unter jeder andern Behandlung deshalb meistens sterben, weil die Natur nicht helfen kann, nur wenige verloren zu haben, so ist dies leicht zu erklären; denn entweder waren es jene schlimmen Krankheiten gar nicht, die sie behandelten (der Homöopath kann und braucht ja auch nicht zu diagnosticiren), oder es sprangen die Angehörigen des Kranken, wenn es mit diesem zum Tode geht, von der Homöopathie ab und holten flugs noch einen Allopathen, auf dessen Conto nun der Gestorbene kommt. So verhält es sich auch mit der Naturdoctorei, die sich sogar rühmt, daß sie durch ihre „physiatrische Wirksamkeit“ oft noch „fast vom Tode“ erretten könne.

Es ist recht human und lobenswerth, wenn Laien ihren kranken Mitmenschen zur Wiedererlangung der Gesundheit mit Rath und That beistehen, ohne damit ein einträgliches Geschäft, wie die meisten Besitzer von Kaltwasser- und Naturheilanstalten, machen zu wollen. Aber dieses Arztspielen der Laien darf nur nicht darin bestehen, daß sie auf gut Glück hin bei allen Kranken ein und dieselbe Lieblingscur in Gebrauch ziehen, wäre es auch die, wie sie meinen, „heilsame Combination des Prießnitz’schen und Schroth’schen Systems“. Das ist nicht nur recht einfältig, weil es gegen die in unserm Körper herrschenden Naturgesetze verstößt, sondern es kann auch, wie ich oben nachzuweisen suchte, sehr gefährlich ablaufen. Und ich sollte denken, es müßte so einem Naturarzte, dem nachgewiesen werden kann, daß er durch sein unbefugtes Curiren einen Mitmenschen unglücklich oder vielleicht sogar todt gemacht hat, zeitlebens Gewissensbisse machen. (Wir wollen übrigens von jetzt an dieser Art von Heilkünstlern auf die Finger sehen. Verf.) – Will der Laie sich und seinen Mitmenschen in gesundheitlicher Hinsicht wirklichen Nutzen schaffen, so strebe er zuvörderst mit allen Kräften dahin, daß die Kinder in den Schulen und im Hause mehr als jetzt von ihrem Körper und von der Gesundheitslehre lernen; er selbst mache sich aber auch mit den Gesetzen bekannt, welche zum Gesundbleiben und Gesundwerden unseres Körpers beobachtet werden müssen, um sich, seine Angehörigen und, zumal wenn er in irgend welcher Stellung auf das Volkswohl Einfluß äußern kann, seine Mitmenschen vor Schädigung der Gesundheit wahren zu können.

In späteren Artikeln wollen wir den Zweck besprechen, welchen die Männer der medicinischen Wissenschaft vor Augen haben, wenn sie dem Publicum Einblick in die Medicin zu verschaffen suchen (die Medicin popularisiren). Keinenfalls ist es der, aus jedwedem Menschen einen Curirer zu machen. – Sodann wollen wir auch einmal die Krankheiten des Menschen eine Revue passiren lassen, um an ihnen zu zeigen, einestheils wo arzneiliche, sowie alle andern Eingriffe unnöthig oder gar schädlich sind, und anderntheils wo durchaus ein wissenschaftlich gebildeter Arzt zu Rathe gezogen werden muß.
Bock.




  1. WS: In der Vorlage ‚berrühren‘.
  2. Es ist dies insofern schlimm, als bei allgemeiner Wehrpflicht auch Tuberculöse mit zum Soldatendienste ausgehoben werden und recht leicht in Folge des anstrengenden Dienstes einen sogenannten Tuberkelnachschub erleiden können, der zu lebenslänglichem Siechthume oder zum Tode führen kann.
  3. Was das Psoricum für ein spaßiger Stoff ist, erzählt uns Herr Attomyr selbst. Er sowohl wie seine Tochter hatten von dem Mittel eingenommen, die letztere drei Körnchen von der einunddreißigsten Verdünnung und – nach drei Tagen fanden beide ihre Köpfe von sehr reger Bevölkerung belebt, zumal das Fräulein! Der Doctor war nun nicht länger im Zweifel, daß dasselbe Mittel auch das herbeigerufene Uebel vertreiben werde, und erhielt von einem Freunde, der es in seiner Praxis angewandt, bald die Bestätigung seiner Annahme.