Symbolik des Unsinns

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Textdaten
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Autor: Heinrich Heine
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Titel: Symbolik des Unsinns
Untertitel:
aus: Neue Gedichte, S. 206-209
Herausgeber:
Auflage: Dritte veränderte Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1852
Verlag: Hoffmann und Campe
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Erscheinungsort: Hamburg
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Originaltitel:
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Originalherkunft:
Quelle: Google und Scans auf Commons
Kurzbeschreibung:
Nummer 2 aus dem Zyklus Zur Ollea.
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Neue Gedichte (Heine 1852) 206.gif
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[206]
II.
Symbolik des Unsinns.




     Wir heben nun zu singen an
Das Lied von einer Nummer,
Die ist geheißen Nummer Drei;
Nach Freuden kommt der Kummer.

5
     Arabischen Ursprungs war sie zwar,

Doch christenthümlich frummer
In ganz Europa niemand war,
Wie jene brave Nummer.

     Sie war ein Muster der Sittlichkeit

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Und wurde roth wie ein Hummer,

Fand sie den Knecht im Bette der Magd;
Gab beiden einen Brummer.

     Des Morgens trank sie den Kaffee
Um sieben Uhr im Summer,

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Im Winter um neun, und in der Nacht

Genoß sie den besten Schlummer.

[207]

     Jetzt aber ändert sich der Reim,
Und ändern sich die Tage;
Es muß die arme Nummer Drei

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Erdulden Pein und Plage.


     Da kam ein Schuster und sagte: der Kopf
Der Nummer Drei, der sähe
Wie eine kleine Sieben aus,
Die auf einem Halbmond stehe.

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     Die Sieben sei aber die mystische Zahl

Der alten Pythagoräer,
Der Halbmond bedeute Dianendienst,
Er mahne auch an Sabäer.

     Sie selber, die Drei, sei Schiboleth

30
Des Oberbonzen von Babel;

Durch dessen Buhlschaft sie einst gebar
Die heil’ge Dreieinigkeitsfabel.

     Ein Kürschner bemerkte dagegen: die Drei
Sei eine fromme Trulle,

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Verehrt von unsern Vätern, die einst

Geglaubt an jede Schrulle.

[208]

     Da war ein Schneider, der lächend sprach,
Daß gar nicht existire
Die Nummer Drei, daß sie sich nur

40
Befinde auf dem Papiere.


     Als solches hörte die arme Drei,
Wie eine verzweifelte Ente
Sie wackelte hin, sie wackelte her,
Sie jammerte und flennte:

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     Ich bin so alt wie das Meer und der Wald,

Wie die Stern’, die am Himmel blinken;
Sah Reiche entstehn, sah Reiche vergehn,
Und Völker aufsteigen und sinken.

     Ich stand am schnurrenden Webstuhl der Zeit

50
Wohl manches lange Jahrtausend;

Ich sah der Natur in den schaffenden Bauch,
Das wogte brausend und sausend.

     Und dennoch widerstand ich dem Sturm
Der sinnlich dunkeln Gewalten –

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Ich habe meine Jungferschaft

In all dem Spektakel behalten.

[209]

     Was hilft mir meine Tugend jetzt?
Mich höhnen Weise und Thoren;
Die Welt ist schlecht und ungerecht,

60
Läßt Niemand ungeschoren.


     Doch tröste dich, mein Herz, dir blieb
Dein Lieben, Hoffen, Glauben,
Auch guter Kaffee und ein Schlückchen Rum,
Das kann keine Skepsis mir rauben.