Teufelskutschen

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Textdaten
<<< >>>
Autor: Unbekannt
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Teufelskutschen
Untertitel:
aus: Badisches Sagen-Buch II, S. 409–410
Herausgeber: August Schnezler
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1846
Verlag: Creuzbauer und Kasper
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Karlsruhe
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Commons und Google
Kurzbeschreibung:
Wikipedia-logo.png Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite
[409]
Teufelskutschen.

1. Eines Abends um sieben Uhr ging eine Frau, welche nach Heidelsheim wollte, auf der Landstraße zwischen Ubstadt und Bruchsal. Am dortigen Galgen kam eine Kutsche hinter ihr her, hielt bei ihr an und ein, darin sitzender Mann lud sie, während die Thür aufsprang, zum Einsteigen ein. Nach einigem Zögern stieg sie ein, worauf der Schlag von selbst wieder zuging. Der Mann sprach kein Wort, doch die Frau gewahrte mit Schrecken, daß er Bocksfüße habe. Als sie vergebens versucht hatte, die Kutschenthüre zu öffnen, um herauszuspringen, zog sie ein Gebetbüchlein aus der Tasche und betete in Einem fort, bis sie bei Untergrombach zu einem Kapellchen kamen. Da öffnete sich der Schlag wieder von selbst, die Frau sprang heraus, und unter fürchterlichem Knall verschwand die Kutsche mit Mann und Rossen.

2. Vor etlichen vierzig Jahren kamen ein Schneider aus Wössingen und sein Lehrjunge, als sie Nachts vom Traishof heimgingen, zu einer Kutsche, worin ein Mann und auf dem Bocke der Kutscher saß, und neben welcher ein anderer Mann in grünem Rock einherschritt. Derselbe lud die Beiden zum Einsteigen [410] ein, was der Lehrjunge ablehnte, der Schneider aber annahm, worauf ihm der Grüngekleidete hineinhalf und dann selbst einstieg. Kaum war dies geschehen, so erhob sich die Kutsche in die Luft und fuhr schnell wie der Wind über Berg und Thal, so daß den Schneider die Besinnung verließ. Als er wieder zu sich kam, war es Morgen und er lag allein am öden Meeresufer, wo ein Schiff anhielt. Er wußte sich nicht anders zu helfen, als daß er die Schiffleute bat, ihn mitzunehmen, was sie auch thaten. Sie segelten nach Ostindien. Daselbst blieb der Schneider zwanzig Jahre lang, nach deren Verlauf er nach Wössingen, wo man ihn längst für todt gehalten, zurückkehrte. Weil er aber seine Frau an jenen Lehrjungen, der unterdessen Meister geworden war, verheirathet fand, nahm er seine beiden Söhne von ihr und begab sich mit ihnen an seinen vorigen Wohnort in Ostindien, von wo er nichts mehr von sich hat hören lassen.

(Siehe Mone’s „Anzeiger etc.“ Jahrg. 1839.)