Teufelsthränen, Vesuvthee und Graspapier

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Autor: R.
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Titel: Teufelsthränen, Vesuvthee und Graspapier
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 45, S. 712
Herausgeber: Ernst Keil
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1866
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung: Warnung vor gefährlichen Produkten
Blätter und Blüthen
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[712] Teufelsthränen, Vesuvthee und Graspapier. Seit jenen unseligen „Pharao-Schlangen“, die trotz aller Warnungen gar manche Wohn- und Kinderstube mit ihren verderblichen Quecksilberdämpfen erfüllen durften, hat uns das industrielle Paris bereits mit einer ganzen Reihe von ähnlichen chemischen Spielzeugen beglückt, vor denen aber in den meisten Fällen dringend zu warnen ist. Hierher gehören zunächst die sogenannten Teufelsthränen, eine Speculation, welche gar leicht manches Auge kosten und andern Unfug anstiften kann. Sie sind freilich, laut Etikette in Frankreich, England, Belgien, Amerika etc. „patentirt“ – das macht indessen ihre Gefährlichkeit um nichts geringer. Es sind ovale oder rundliche rothe Dingerchen, die in einer an beiden Seiten mit Kork verschlossenen Glasröhre dutzendweise in Paris für einen halben Franken (vier Neugroschen), bei uns für acht Silbergroschen verkauft werden. In jeder dieser „Thräne“ befindet sich ein Stückchen Natrium-Metall, mit in Petroleum getränkter Baumwolle umwickelt und mit rothgefärbtem Collodium überzogen. Die Spielerei ist also auf einen alten, längst bekannten chemischen Vorgang begründet, im Uebrigen aber gut ausgedacht, denn die Erscheinung, welche die in einen Teller mit Wasser geworfenen Teufelsthränen zeigen, indem das Natrium-Metall unter Zischen und zuweilen mit Entzündung des Steinöles sich zersetzt, wird auf Unwissende ihren Eindruck nicht verfehlen. Auf der Gebrauchsanweisung steht in französischer und englischer (aber nicht in deutscher) Sprache die Warnung: „Die Teufelsthräne nicht in den Mund zu nehmen,“ doch nasse Hände etc. können ebenfalls eine unvorbereitete Explosion und damit Umherspritzen des Feuers, gefährliche Brandwunden und dergleichen bewirken, abgesehen davon, daß selbst nach gefahrlosem Verlaufe des „Kunststücks“ das im Teller enthaltene Aetz-Natron Kleider, Teppiche etc. leicht beschädigen kann. Nebenbei bemerkt sind dergleichen Flecke, resp. Löcher, oft noch durch sofortiges Befeuchten mit Essig und dann Abwaschen mit Wasser abzuwenden.

Minder bedenklich ist eine andere chemische Neuigkeit, der Vesuv-Thee. Er besteht aus einem Gemisch von einfach- und doppeltchromsaurem Ammoniak. In einem Löffelchen über Spiritus gelinde erhitzt, bläht er sich dann zu krausen Gestaltungen auf, welche allenfalls Aehnlichkeit mit chinesischem Thee oder mit kleinen Pflanzengebilden haben. Das chromsaure Salz ist ebenfalls giftig und erfordert für Kinder etc. alle Vorsicht, sonst aber kann es nicht leicht Veranlassung zu Unglücksfällen geben, da es nichts Eßbarem ähnlich ist, als „Thee“ aber sich bereits in das nicht giftige grüne Chromoxyd verwandelt hat. Noch interessanter und weniger gefährlich ist das Wunder- oder Gras-Papier, welches, ebenfalls aus diesem Chromsalz bereitet, beim Entzünden die niedlichsten Pflanzengebilde, Gras, Blumen, Früchte etc. hervorbringt.
R.