Topographia Westphaliae: Rintlen

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Topographia Germaniae
Rintlen (heute: Rinteln)
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aus: Matthäus Merian (Herausgeber und Illustrator) und Martin Zeiller (Textautor):
Merian, Frankfurt am Main 1647, S. 59.
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Rintlen / Rinteln / Rentlen / Renteln /

Ligt an der Weser / zwischen Hameln / vnd Minden / gerad in der Mitte / vnd in der Graffschafft Schawenburg; davon in dem Anno 1644. außgelassenen Mindischen Bericht / wider die Gräfflich-Schawenburgische Fraw Wittib / oder der Ablainung derselben Manifesten / am 39. vnd folgenden Blat / vnter anderm / also stehet: Eben wenig kan durch die Statt Rintlen im Lehenbrieff Bischoff Frantzen (von Minden / de Anno 1527.) benennt / keine andere Statt / als das jetzige Rintlen / verstanden werden / weiln das alte Rintlen / davon man viel Schwätzens machet / schon vor längst desoliert gewesen.

2. Der Ort / so das alte Rintlen genannt wird / nicht Rintlen / sondern Bleckenstede geheissen / wie man davon gute Nachrichtung hat.

Vnd 3. die Statt Rintlen / nach der Ringelkluß / so dem Ritter von Eckerstein / wegen guter Verrichtung zu Rom / vom Stifft verehret worden / vnd jetzt der Terminhoff in Rintlen heisset / Rintlen genannt worden ist. Man hat aber den Ort / worauff die Häuser / so allda abgebrochen / vnnd nach Rintlen versetzt / gestanden / wegen solcher Translation / das alte Rintlen offtmals genannt / gantz ohne aber / daß es jemals den Namen gehabt haben solle; wie dann auch Bischopperode / der Ort für Statthagen / da das Kloster in Rintlen (vor diesem) belegen gewesen / respectu translationis, von Hermanno de Lerbecke, das alte Rintlen genannt wird.

Wann auch gleich 4. deme also / wie außgegeben wird / so weren dannoch die Leute / aedificia, vnd transferierte Statt / in ihrer Feudalität verblieben / vnnd were dem Stifft / durch solche Translation / das directum Dominium der Statt / vnnd Leute / nicht entzogen / weiln allhie nicht quaestio de loco civitatis, sondern von Statt / vnd Leuten ist.

Wiewol 5. noch nicht erwiesen / daß das vermeynte alte Rintlen eine Statt gewesen. Vnd am 41. Blat: Das Kloster zu Rinteln ist alt / vnd hat etliche hundert Jahr für Statthagen / so damals Greven-Alveshagen geheissen / gelegen. Ist von einem Bischoff zu Minden gewidmet / vnd darnach / wie Hermann de Lerbecke, vnd Spangenberg / schreiben / Bischopperode genannt / von Graff Adolphen dem Sechsten aber / in Anno 1248. nach Rintlen transferiert worden / etc. Worauß zusehen / daß das Stifft Minden diese Statt / als ein heimgefallen Lehen; weiln der Gräfflich-Schawenburgische Mannsstamme nunmehr gantz abgangen / anspricht: Hochwolerwehnte Gräffliche Fraw Wittib aber vermeynet / daß in den Mindischen Lehenbrieffen / die Statt Newen Rinteln / sampt der Vniversität allda / nicht stehe: Welche Hohe Schul allererst der Gefürste Graff Ernst von Holstein / vnd Schawenburg / etc. da angerichtet / vnnd sie den 27. Julij / Anno 1612. Feyerlich eingeführet hat / vnd damaln die von dem Keyser Ferdinando II. darüber ertheilte Privilegia publiciert worden seyn. Vnnd hat hochgedachter Fürst / sie mit stattlichem Einkommen versehen. Es ist Rintlen ein feiner wolerbaweter Ort / allda eine Brücke vber die Weser gehet. Der Schwedische Feld-Marschall von Knipphausen / hat diese Statt den 26. Februarii alten Calenders / Anno 1633. eingenommen.

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Rinteln (Merian).jpg